fast zu besuch bei chopin

01.08.2016

sommerferien sind doch mega, oder? sechs wochen frei, ein bisschen verreisen, ein bisschen abhängen. was für eine herrliche zeit. was urlaub angeht, sind manche von euch aber vielleicht nicht so flexibel, weil sie sich um die großeltern kümmern müssen, die an alzheimer leiden und nicht alleine bleiben können. denn alzheimer macht keine ferien. es gibt aber unterstützung – schaut doch mal hier.

AFI-Botschafterin Okka Gundel

alzheimer-patienten selbst fühlen sich meist am wohlsten in ihrer gewohnten umgebung. und doch haben sie manchmal fernweh. meine oma, die 1914 in den ersten weltkrieg hineingeboren wurde, im zweiten weltkrieg ihren mann verlor und dann drei kinder alleine durchbringen musste, ist nie viel herumgekommen. wahrscheinlich hatte sie deswegen bis an ihr lebensende fernweh. immer und immer wieder war es die sonne, nach der sie sich sehnte. die wärme, das meer und die wellen.

immer wieder neuland: jeder einzelne winkel

nachdem mein vater ein paarmal mit ihr unterwegs war, bin auch ich einmal mit ihr verreist, um meine eltern zu entlasten. meine oma war fast 85 und wir fuhren nach mallorca. für sie war es pures glück. ein paar dinge werde ich nie vergessen. der einfachheit halber buchten wir einen all-inclusive urlaub. meine oma zückte allerdings nach jedem getränk ihr portemonnaie und fragte, was sie denn zahlen müsse. auch hatte sie bis zum tag der abreise keinerlei orientierung in dem übersichtlichen hotel. egal wohin sie wollte, immer bog sie falsch ab, immer hatte sie den überraschenden gesichtsausdruck einer komplett ahnungslosen, die noch nie zuvor an genau diesem ort gewesen zu sein schien.

ausflug nach valldemossa

weil meine oma klavierlehrerin war und chopin liebte, wollte sie unbedingt nach valldemossa. dort hatte der berühmte komponist gelebt. wir buchten einen mietwagen und fuhren dorthin. als wir ankamen war sie auf dem beifahrersitz so tief eingeschlafen, dass sie kaum wach zu bekommen war und wir noch nicht einmal ausstiegen. zurück im hotel wusste sie nichts von unserem ausflug zu chopin. und trotzdem: noch heute sehe und spüre ich die dankbarkeit in ihren augen, dass ich mit ihr verreist bin. und ich sehe immer noch ihre wehenden haare und ihr strahlendes lächeln, als wir bei unserer ankunft am flughafen in so ein kleines automobilchen, ähnlich einem golf-caddy, einsteigen durften, mit dem wir mit einem flughafen-mitarbeiter durch den weitläufigen airport brausten. ein privileg, in dessen genuss ich seitdem nie wieder gekommen bin und an das ich auf jedem flughafen dieser welt denke.

und wer jetzt noch ein paar tipps braucht, für den urlaub mit alzheimer-patienten, der kann sich hier schlau machen.

bleibt stark!

eure


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