Dr. Michael Lorrain: „Ab 70 alle zwei Jahre zum Gedächtnistest“

„Auch wenn wir Alzheimer noch nicht heilen können, ist eine frühe Diagnose der Erkrankung sehr wichtig. Es ist für alle Beteiligten besser, wenn früh Klarheit herrscht.“ Das sagt der Vorsitzende unseres Vorstandes Dr. Michael Lorrain, der in Düsseldorf als Neurologe niedergelassen ist.

Im Interview erklärt Dr. Lorrain, weshalb er sich für regelmäßige Gedächtnistests ausspricht und warum man nicht alleine zur Untersuchung gehen sollte.

Foto des AFI-Vorstandsvorsitzenden

Herr Dr. Lorrain, wie hat sich der Umgang mit der Alzheimer-Krankheit in den letzten Jahren verändert?
Alzheimer ist immer noch ein Tabuthema, das erlebe ich jeden Tag in meiner Praxis. Die Hürde, sich untersuchen zu lassen, ist immer noch sehr hoch. Die meisten Patienten kommen spät zur Untersuchung, wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist. Oft entstehen Demenz-Diagnosen auch erst im Zuge von anderen Untersuchungen. Die Menschen kommen dann gar nicht wegen ihrer Gedächtnisprobleme, sondern weil sie andere Beschwerden haben.

Woran liegt es, dass viele Menschen den Arztbesuch so lange aufschieben?
Ich bin immer wieder erstaunt, wie lange Gedächtnisprobleme von vielen Angehörigen ausgehalten werden, ohne dass jemand aktiv wird. Das kostet eine Menge Kraft und verursacht viel Leid in den Familien. Das ist wie ein blinder Fleck. Ich kann das andererseits aber auch verstehen, denn niemand wünscht sich eine Alzheimer-Diagnose in der Familie. Aber es ist für alle Beteiligten besser, wenn früh Klarheit herrscht.  

Warum ist eine frühe Diagnose wichtig?
Auch wenn wir Alzheimer noch nicht heilen können, ist eine frühe Diagnose sehr wichtig. Patient und Angehörige können sich frühzeitig informieren und einen Umgang mit dieser schwierigen Krankheit finden. Spezifische Medikamente und nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden wie Gedächtnistrainings können den Verlauf der Krankheit oftmals verzögern. Wenn die Demenz schon fortgeschritten ist, ist das leider nicht mehr möglich.

Was empfehlen Sie älteren Menschen?
Untersuchungen zur Krebs- oder Schlaganfallvorsorge haben sich mittlerweile etabliert. Aber für Alzheimer hat sich das leider noch nicht durchgesetzt. Deshalb empfehle ich, ab 70 Jahren alle zwei Jahre einen Gedächtnistest zu machen. Diese Testungen sind beim Hausarzt, Nervenarzt oder bei Gedächtnisambulanzen möglich. Außerdem ist es wichtig, nicht allein zur Untersuchung zu gehen. Für eine Alzheimer-Diagnose spielt die Fremdanamnese, also das Gespräch mit einer Person, die dem Patienten nahe steht, eine entscheidende Rolle.

Weitere Informationen:

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Zehn Jahre hat Christa Schneider ihre an Alzheimer erkrankte Mutter Trudi begleitet. In einem bewegenden Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen mit der Krankheit. Ihr Fazit: vorbeugen so gut es geht und spenden für die Alzheimer-Forschung.

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