Themenabend zu neuen Alzheimer-Wirkstoffen: Aufbruch statt Katerstimmung

  |   Forschung

Das letzte Alzheimer-Medikament wurde im Jahr 2002 zugelassen. Nach einer langen Durststrecke scheint jetzt Bewegung in die Alzheimer-Forschung zu kommen. „Es hat sich etwas getan in den letzten Wochen“, sagte unsere Botschafterin Okka Gundel am Dienstagabend. Die TV-Journalistin führte durch unseren Themenabend „Neue Wirkstoffe gegen Alzheimer – Ist Heilung in Sicht?“ mit 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Haus der Universität Düsseldorf. Prof. Oliver Peters von der Charité – Universitätsmedizin in Berlin zeigte sich vorsichtig optimistisch: „Trotz vieler Rückschläge hat die Alzheimer-Forschung nicht aufgegeben. Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte Peters, der selbst als Arzt an klinischen Studien mit neuen Wirkstoffen beteiligt ist.

Prof. Oliver Peters mit AFI-Botschafterin Okka Gundel im Gespräch
AFI-Botschafterin Okka Gundel und Prof. Oliver Peters


Die Hoffnung gründet sich vor allem auf die Kehrtwende beim eigentlich schon für gescheitert erklärten Wirkstoff Aducanumab. In der höchsten Dosierungsstufe hatte der Wirkstoff in einer von zwei parallel laufenden Studien tatsächlich zu einer Verlangsamung des geistigen Abbaus bei den Probanden geführt. Sollte Aducanumab tatsächlich die Zulassung erhalten, wäre es das erste Medikament, dass in die Mechanismen der Alzheimer-Erkrankung eingreift und die für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen bekämpft.

Prof. Peters hat im Rahmen der Studie selber Probanden mit Aducanumab behandelt. Die Nebenwirkungen, zumeist Kopfschmerzen und leichte Schwellungen des Gehirns durch Wassereinlagerungen, seien durch vorübergehendes Aussetzen des Medikamentes in den Griff zu bekommen.

„Erkrankung entdecken, bevor Symptome auftreten“

Neue Wirkstoffe müssten in einem möglichst frühen Krankheitsstadium ansetzen. „Die Alzheimer-Erkrankung beginnt viele Jahre vor dem Auftreten erster Symptome mit Veränderungen im Gehirn“, sagte Prof. Peters und stellte die Wichtigkeit einer frühzeitigen Diagnose heraus. „Man muss die Erkrankung entdecken, bevor Symptome auftreten.“

Prof. Peters kommentierte auch die vermeintlichen Erfolgsmeldungen aus China, wo ein neues Alzheimer-Medikament auf Algenbasis auf den Markt kommen wird. „Die Daten reichen für eine Zulassung in Europa nicht aus“, berichtete Prof. Peters, der bei einem Aufenthalt in China mit den beteiligten Forschern sprechen konnte. Eine Studie nach europäischen Standards müsse die positive Wirkung bestätigen. Immerhin zeigt sich schon jetzt, dass das Präparat nebenwirkungsfrei zu sein scheint.

Unser Themenabend war öffentlicher Teil des „3. Düsseldorf-Jülich Symposium on Neurodegenerative Diseases“, das wir mit 10.000 Euro unterstützen. Zu dem internationalen Symposium treffen sich noch bis zum 14. November über 150 Alzheimer-Forscher im Haus der Universität. Organisiert wird das Symposium von Prof. Dr. Dieter Willbold von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und dem Forschungszentrum Jülich sowie Prof. Dr. Thomas van Groen von der University of Alabama at Birmingham (USA).

Weitere Informationen

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