Apolipoprotein ApoE4:
Was das Risiko-Gen mit Alzheimer zu tun hat
Alzheimer ist (auch) eine Frage der Gene.
So entscheiden sogenannte Risiko-Gene mit darüber, ob ein Mensch ein höheres oder geringeres Risiko hat, im Alter an Alzheimer zu erkranken.
Das wichtigste und bekannteste Risiko-Gen für die Alzheimer-Krankheit ist das Gen, das den Bauplan für das Protein Apolipoprotein E4, kurz ApoE4 trägt. Es kann von einem oder beiden Elternteilen an die Kinder weitergegeben werden.
Alles Wissenswerte über den Zusammenhang von ApoE4 und Alzheimer, das Erkrankungsrisiko und ApoE-Gentests.

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Was ist das ApoE4-Gen?
Das ApoE4-Gen ist eines der Gene, die mit der Entstehung von Alzheimer in Zusammenhang stehen.
- Es ist eine von drei Hauptvarianten des menschlichen ApoE-Gens, das den Bauplan für das Protein Apolipoprotein trägt. Weitere Varianten sind ApoE2 und ApoE3.
- ApoE spielt eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel des Körpers, insbesondere beim Transport von Cholesterin.
- Etwa 25 Prozent der Bevölkerung tragen eine Kopie von ApoE4, etwa zwei Prozent tragen zwei Kopien.
- Menschen mit zwei Kopien des ApoE4-Gens haben das höchste Risiko, an Alzheimer zu erkrankten – es ist etwa zehnmal höher als bei Menschen mit anderen ApoE-Varianten.
- Wichtig: Auch wenn das Risiko deutlich erhöht ist, bedeutet dies nicht, dass eine Person zwangsläufig erkranken wird.
- Unter allen Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, sind etwa 60 Prozent Träger oder Trägerinnen mindestens einer ApoE4-Kopie.
Kann man sich auf ApoE4 testen lassen?
Bisher wurden in Deutschland Gentests im Zusammenhang mit Alzheimer fast ausschließlich bei Verdacht auf die seltene familiäre Form der Erkrankung durchgeführt.
Diese Gentests betreffen andere Gene (APP, PSEN1, PSEN2) und werden nur nach genetischer Beratung in speziellen Sprechstunden angeboten.
Mehr zu Tests auf die familiäre Alzheimer-Form finden Sie hier.
Tests auf ApoE4 spielten dagegen lange nur in Forschungsstudien eine Rolle.
Mit der Einführung neuer Antikörper-Medikamente wie Leqembi und Kisunla ändert sich die Situation: Ein ApoE4-Test gehört künftig zur Standarddiagnostik, wenn eine Behandlung im frühen Krankheitsstadium geplant ist.
Für Menschen, die unabhängig von einer Therapie ihr persönliches Alzheimer-Risiko kennen möchten, bleibt ein ApoE4-Test weiterhin nur in Ausnahmefällen möglich.

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ApoE4-Test bei geplanter Antikörper-Therapie
Seit Herbst 2025 sind mit Leqembi (Lecanemab) und Kisunla (Donanemab) zwei Antikörper-Medikamente verfügbar. Für eine Behandlung mit diesen Medikamenten ist ein ApoE4-Test verpflichtend. Der Test ermittelt, wie viele Kopien des ApoE4-Gens eine Person besitzt.
Das Ergebnis kann 0, 1 oder 2 Kopien sein:
- 0 oder 1 Kopie: Eine Behandlung mit Leqembi ist möglich.
- 2 Kopien: Eine Behandlung ist ausgeschlossen, da das Risiko für Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen (ARIA-E) oder Hirnblutungen (ARIA-H) deutlich erhöht ist.
Wichtig ist: Dieser Test dient nicht der allgemeinen Alzheimer-Diagnostik, sondern ausschließlich dazu, die Eignung für eine Therapie im frühen Krankheitsstadium zu prüfen. Für Menschen mit fortgeschrittener Alzheimer-Demenz spielt er keine Rolle, da Antikörper-Medikamente wie Leqembi nur im frühen Stadium angewendet werden dürfen.
Alle Details zu derzeit erhältlichen Alzheimer-Medikamenten finden Sie hier
ApoE4: Was das Gen aussagt – und was nicht
Nicht jeder Mensch mit dieser genetischen Veranlagung wird später tatsächlich an Alzheimer erkranken. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, was ein Risikogen wie ApoE4 bedeutet - und worin es sich von den Genen unterscheidet, die eine familiäre Alzheimer-Erkrankung verursachen.
Der Unterschied liegt in der Aussagekraft:
- ApoE4 ist ein Risikogen: Es erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Alter an Alzheimer zu erkranken - ist aber kein sicheres Anzeichen für eine spätere Erkrankung.
- APP, PSEN1 und PSEN2 sind dagegen Alzheimer-Gene: Liegt in einem dieser Gene eine bestimmte Mutation vor, wird die betroffene Person mit hoher Wahrscheinlichkeit erkranken. Dies bezeichnet man als familiäre Form von Alzheimer.
Mehr Informationen zur familiär vererbten Alzheimer-Demenz und den Unterschieden zur sporadischen Form.
Neue Forschung: Ist doppeltes ApoE4 doch mehr als nur ein Risiko?
Die Rolle von ApoE4 in doppelter Ausführung (homozygot) wird in der Wissenschaft derzeit intensiv diskutiert. Eine im Mai 2024 veröffentlichte Studie eines spanischen Forschungsteams legt nahe, dass Menschen, die zwei Kopien des ApoE4-Gens tragen, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens an Alzheimer erkrankten.
Die Forschenden sprechen deshalb davon, dass doppelt vererbtes ApoE4 eine genetische Variante der Erkrankung sein könnte – ähnlich wie bei den seltenen familiären Formen.
Was Sie trotz genetischem Risiko tun können
Unsere Gene können wir nicht verändern - unseren Lebensstil schon.
Auch wenn eine genetische Veranlagung wie ApoE4 das Risiko erhöht, bedeutet das nicht, dass man Alzheimer automatisch bekommt.
Studien zeigen: Wer sich gesund ernährt, körperlich aktiv bleibt, soziale Kontakte pflegt und auf Herz und Kreislauf achtet, kann sein Risiko deutlich senken – unabhängig von der genetischen Ausstattung.
Diese Maßnahmen helfen auch, wenn bereits eine Demenzerkrankung diagnostiziert wurde.

Yan Krukov/pexels
Der Ratgeber Alzheimer vorbeugen: Gesund leben – gesund altern zeigt, wie wir durch eine aktives und gesundes Leben sowie gesundheitliche Vorsorge unser Alzheimer-Risiko senken können. Es werden 12 Risikofaktoren vorgestellt, auf die jeder und jede achten kann, um Alzheimer vorzubeugen.
44 Seiten, 2024

Autorin
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert. Seit 2024 leitet sie bei der AFI die Abteilung Wissenschaft.




