Statement zur ApoE4-Studie in "Nature Medicine"

DNA Helix Spirale
  |   Forschung

Am 6. Mai 2024 veröffentlichte das Wissenschaftsmagazin "Nature Medicine" die Ergebnisse einer Studie über die Auswirkungen von Homozygotie des Gens ApoE4 auf die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit.

Homozygotie bedeutet, dass eine Person zwei identische Kopien einer Genvariante besitzt - eine von der Mutter und eine vom Vater. Das in der Studie näher untersuchte Gen ApoE4 ist ein für Alzheimer bereits bekanntes Risikogen, also ein Gen, das die Entstehung der Krankheit begünstigt, sie aber nicht zwingend auslöst.

Bislang ist Stand der Forschung, dass Menschen mit zwei ApoE4-Kopien mit hoher Wahrscheinlichkeit erkranken, aber nicht zwangsläufig. Die Forschung geht aktuell davon aus, dass bei rund zwei Prozent der Bevölkerung ApoE4 doppelt vorkommt. Allein in Deutschland wären dies 1,62 Millionen Menschen.

ApoE4: Risiko oder Ursache von Alzheimer?

Für die Studie des spanischen Forschungsteams um Juan Fortea wurden die Daten von mehr als 10.000 Menschen in Europa und den USA ausgewertet. Darunter befanden sich 519 Personen mit einem doppeltem ApoE4-Gen.

Die Wissenschaftler*innen stellten fest, dass bei dieser Gruppe bereits im Alter von 55 Jahren so genannte Alzheimer-Biomarker nachgewiesen werden konnten, also für Alzheimer typische Proteine, die sich in der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit ansammeln. Erste Alzheimer-Symptome waren bei diesen Personen ab Mitte 70 zu erwarten. Aufgrund dieser Vorhersagbarkeit der Abfolge von molekularen Veränderungen und Symptomen schlägt das spanische Forschungsteam vor, die Kombination von doppeltem ApoE4 nicht mehr als Risiko, sondern als Ursache der Alzheimer-Krankheit einzustufen. 

Diese Einstufung sehen wir von der Alzheimer Forschung Initiative kritisch - aus folgenden Gründen:

  • Nicht alle homozygoten ApoE4-Trägerinnen und -Träger bekommen Alzheimer: Zwar wurde festgestellt, dass die Alzheimer-Krankheit bei homozygoten Träger*innen des ApoE4-Gens im Schnitt sieben bis zehn Jahre früher ausbricht als bei Menschen, die kein genetisch erhöhtes Risiko haben. Das bedeutet aber nicht, dass jeder, der zwei Kopien des ApoE4-Gens in sich trägt, zwangsläufig an Alzheimer erkrankt. Dafür reichen die vorliegenden Daten nicht aus.

  • Es gibt Unterschiede zur familiären Form der Alzheimer-Krankheit: Die familiäre Form der Alzheimer-Krankheit wird durch bestimmte Varianten der Gene Presenilin und APP ausgelöst. Menschen mit dieser genetischen Veranlagung erkranken zumeist schon in jüngeren Jahren, also ab 35 (Stichwort: Frühdemenz). Diese frühe Alzheimer-Erkrankung wurde bei den untersuchten homozygoten ApoE4-Träger*innen nicht beobachtet, bei ihnen traten die ersten Symptome zwischen dem 70. und 75. Lebensjahr auf.

  • Das Erkrankungsrisiko für homozygote ApoE4-Träger verschiedener ethnischer Herkünfte ist unterschiedlich hoch: Das deutet darauf hin, dass es weitere Faktoren geben muss, die bestimmen, ob jemand mit zwei Kopien von ApoE4 an Alzheimer erkrankt oder nicht.

Demenzerkrankungen wie Alzheimer stellen weltweit eine große Herausforderung dar und betreffen Millionen von Menschen. Und auch wenn diese Krankheiten durch Forschungsarbeiten wie diese nicht geheilt werden können, so bringt uns das bessere Verständnis der verschiedenen zugrunde liegenden Mechanismen doch einen großen Schritt weiter auf dem Weg zur Entwicklung wirksamer Therapien und Heilmittel.

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