Tipps für pflegende Angehörige

Urlaub mit Menschen mit Demenz

Einen Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Demenzerkrankung zu betreuen, ist oft emotionale und körperliche Schwerstarbeit. 

Pflegende Angehörige haben einen Fulltimejob an sieben Tagen in der Woche. Entlastung tut oft not. Wenig bekannt ist, dass man bei der Pflegekasse Hilfen beantragen kann, um eine Auszeit zu ermöglichen. Auch ein gemeinsamer Urlaub ist unter Umständen noch machbar.

Auf dieser Seite haben wir Ihnen Ideen und Tipps zusammengestellt, wie pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz die Urlaubszeit planen können.

Wenn Sie allein eine Auszeit nehmen

Pflegende Angehörige, die allein eine Auszeit nehmen möchten, können in dieser Zeit die pflegebedürftige Person ab Pflegegrad 2 professionell betreuen lassen. Dafür gibt es finanzielle Unterstützung von der Pflegekasse, und zwar sowohl für die vorübergehende Pflege zu Hause (Verhinderungspflege) als auch für die zeitweise stationäre Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung (Kurzzeitpflege).

Möglichkeit 1: Kurzzeitpflege

  • Bis zu acht Wochen im Jahr können pflegebedürftige Personen stationär in einer Pflegeeinrichtung betreut werden.
  • Für Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege steht ein gemeinsames Jahresbudget von bis zu 3.539 Euro zur Verfügung, das flexibel genutzt werden kann. 
  • Wichtig bei der Kurzzeitpflege ist eine gute Vorbereitung, denn in vielen Einrichtungen sind freie Plätze rar und Wartelisten lang. Um einen passenden Kurzzeitpflegeplatz zu finden, sollten Sie zeitig im Voraus Kontakt aufnehmen.

Möglichkeit 2: Verhinderungspflege

  • Auch durch die Verhinderungspflege können Sie sich Freiräume für Ihre Auszeit schaffen. Anders als bei der Kurzzeitpflege wird die Patientin oder der Patient zuhause betreut
  • Angehörige, Bekannte oder professionelle Pflegekräfte ersetzen die pflegenden Angehörigen tage- oder stundenweise.
  • Die Verhinderungspflege kann für bis zu acht Wochen im Jahr in Anspruch genommen werden und steht ab Pflegegrad 2 zur Verfügung. Für sie gilt ebenfalls das gemeinsame Jahresbudget von bis zu 3.539 Euro.

Gemeinsam mit einem Menschen mit Demenz verreisen

Zusammen zu verreisen bietet sich vor allem im frühen bis mittleren Krankheitsstadium an. Wichtig ist, dass der Mensch mit Demenz gut mit einem Ortswechsel und den damit verbundenen Abweichungen in der täglichen Routine zurechtkommt. Gemeinsame Urlaube können auf alle Beteiligten überaraus positive Effekte haben, wie eine größere Nähe zueinander oder das Schaffen neuer, gemeinsamer Erinnerungen. Viele erleben dabei, dass trotz Einschränkungen noch schöne Erfahrungen möglich sind. 

5 Tipps für einen gelungenen Urlaub

Tipp 1: Schauen Sie, was zu Ihnen passt

Pflegende Angehörige wissen am besten, was für den Menschen mit Demenz möglich ist und welches Urlaubsziel passend wäre.

Bisherige Urlaube und persönliche Vorlieben können als Orientierung dienen. Was hat früher schon Spaß gemacht? Was haben Sie gern gemeinsam unternommen? Wo hat es Ihnen gefallen? Ob Campingurlaub oder Wandern in den Bergen – entscheidend ist, wo Sie sich wohlfühlen und gut zurechtkommen.

Tipp 2: Gewohntes mit Neuem kombinieren

Menschen mit Demenz brauchen Routinen, um sich ruhig und sicher zu fühlen.

Versuchen Sie daher, gewohnte Abläufe wie Duschen, Anziehen oder Mahlzeiten auch auf Reisen beizubehalten. Packen Sie ruhig ein paar Kleinigkeiten von zuhause in die Reisetasche: Die Lieblingstasse, der Kissenbezug oder Familienfotos können in der fremden Umgebung zu vertrauten Ankerpunkten werden.

Tipp 3: Schwierigkeiten akzeptieren

Mit Demenz gleicht kein Tag dem anderen. Wichtig ist, bei Schwierigkeiten möglichst souverän zu bleiben. Zum Beispiel dann, wenn die ungewohnte Umgebung und neue Abläufe mehr Stress bereiten, als erwartet. Selbst wenn gesundheitliche Probleme auftauchen oder Sie vorzeitig nach Hause fahren müssen: Es zählt, dass Sie es gemeinsam versucht haben.

Tipp 4: Ein Tagesausflug als Test

Tagesausflüge sind gute Tests für gemeinsames Verreisen. Sie sind günstiger, einfacher zu organisieren und Sie vermeiden den Stress, in einer fremden Umgebung übernachten zu müssen. Um positive Erinnerungen aufleben zu lassen, eignen sich auch hier Ausflüge in die persönliche Geschichte, zum Beispiel in frühere Wohn- oder Urlaubsorte.

Tipp 5: Hilfe annehmen

Ihnen ist die Betreuung im Urlaub allein zu anstrengend? Dann nehmen Sie Hilfe in Anspruch. Mittlerweile gibt es Angebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zugeschnitten sind. Während die erkrankte Person von geschultem Fachpersonal betreut werden, entstehen für Pflegepersonen Freiräume zur Erholung.

Lesen Sie auch unseren Ratgeber

Der kostenlose Ratgeber Für Menschen mit Demenz da sein richtet sich an pflegende Angehörige. Er bietet Orientierung nach der Diagnose und Anregungen für den Alltag – auch zu Entlastung und Selbstfürsorge.

kostenfrei
100 Seiten, 2025

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