Hitze bei Demenz:
Was Angehörige beachten sollten

Hohe Temperaturen können für Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Demenz besonders gefährlich werden.

Viele erkrankte Menschen vergessen zu trinken, bleiben zu lange in der Sonne oder ziehen sich nicht rechtzeitig an einen kühleren Ort zurück. Mit fortschreitender Erkrankung fällt es ihnen zudem schwerer, Unwohlsein, Schwindel oder Kreislaufprobleme klar mitzuteilen.

Warum Hitze bei Demenz ein besonderes Risiko ist und wie Sie erkrankte Personen an heißen Tagen schützen können, erfahren Sie hier.

Warum Hitze bei Demenz ein Risiko ist

Bei Hitze wirken mehrere Risiken zusammen. Durch die Demenz werden Durst, Erschöpfung oder Überhitzung oft nicht rechtzeitig wahrgenommen. Zusätzlich können Alter, Vorerkrankungen und Medikamente den Körper belasten. Deshalb ist es wichtig, an heißen Tagen genauer hinzuschauen.

  • Flüssigkeitsmangel: Menschen mit Demenz trinken häufig zu wenig. Viele spüren Durst nicht mehr zuverlässig oder vergessen, regelmäßig etwas zu trinken. Da der Körper bei Hitze zusätzlich Flüssigkeit verliert, können Kreislaufprobleme und Schwäche entstehen. Zudem kann schon leichter Flüssigkeitsmangel dazu beitragen, dass Menschen weniger wach wirken, sich schlechter konzentrieren oder verwirrter erscheinen.
  • Hitze wird nicht richtig eingeschätzt: Viele Menschen mit Demenz erkennen nicht mehr gut, wann hohe Temperaturen gefährlich werden. Sie bleiben vielleicht zu lange in der Sonne, ziehen sich zu warm an oder gehen nicht in kühlere Räume. Mit fortschreitender Erkrankung fällt es ihnen außerdem schwerer, Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit oder Unwohlsein klar mitzuteilen.
  • Bewegungsdrang und Orientierungsprobleme: Manche Menschen mit Demenz sind viel in Bewegung. Bei Hitze kann das den Körper zusätzlich belasten. Besonders riskant wird es, wenn jemand unbemerkt nach draußen geht, sich verläuft oder längere Zeit in der Sonne unterwegs ist.
  • Veränderte Temperaturregulation: Mit zunehmendem Alter passt sich der Körper schlechter an hohe Temperaturen an. Der Kreislauf wird stärker belastet, die Schweißreaktion kann verzögert sein und der Körper kühlt nicht mehr so gut ab.
  • Medikamente und Vorerkrankungen: Manche Medikamente beeinflussen den Flüssigkeitshaushalt, den Blutdruck oder die Wärmeregulation. Auch Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können das Risiko bei Hitze erhöhen.

Was Angehörige von Menschen mit Demenz an heißen Tagen tun können

Allgemeine Hitzetipps reichen bei Demenz oft nicht aus, weil viele erkrankte Menschen sie nicht selbstständig umsetzen können. Schon einfache, vorausschauend geplante Maßnahmen können helfen, Menschen mit Demenz bei Hitze zu schützen.

  • Regelmäßig Getränke anbieten: Stellen Sie Getränke gut sichtbar und in Reichweite bereit. Geeignet sind zum Beispiel Wasser, Saftschorlen, Tees, aber auch Suppen oder Smoothies – wichtig ist, was die Person gerne mag. Oft hilft es, gemeinsam zu trinken und feste Trinkmomente in den Tag einzubauen. Gut greifbare Becher in auffälligen Farben können zusätzlich unterstützen.
  • Für Abkühlung sorgen: Während der heißen Tageszeit sollten Menschen mit Demenz sich möglichst in kühlen Räumen aufhalten. Verlegen Sie Spaziergänge, Einkäufe oder Termine daher auf den Morgen oder Abend. Gelüftet werden sollte vor allem dann, wenn es draußen kühler ist als in der Wohnung.
  • Auf passende Kleidung achten: Lockere, leichte Kleidung kann helfen, den Körper zu entlasten. Achten Sie darauf, dass die Kleidung zur Temperatur passt. Manche Menschen mit Demenz ziehen sich zu warm an oder möchten vertraute Kleidungsstücke nicht ablegen.
  • Unbemerktes Losgehen verhindern: Wenn jemand dazu neigt, allein loszugehen (Hinlauftendenz), ist an heißen Tagen besondere Aufmerksamkeit wichtig. Denn wer sich draußen nicht mehr gut orientieren kann, ist bei Hitze besonders gefährdet. Legen Sie Schlüssel, Jacke oder Handtasche möglichst außer Sichtweite, da diese den Impuls zum Losgehen verstärken können. Ein Notfallausweis, Kontaktdaten in der Kleidung oder eine Ortungshilfe können im Ernstfall helfen, die Person schneller zu finden.
  • Regelmäßig Kontakt halten: Bei alleinlebenden Menschen mit Demenz sind klare Absprachen besonders wichtig: Wer ruft morgens an? Wer schaut nachmittags vorbei? Wer prüft, ob genug getrunken wurde und die Wohnung nicht überhitzt ist? Hilfreich ist ein kleines Unterstützungsnetzwerk aus Angehörigen, Nachbarn, Freunden oder ambulanten Diensten.

Warnzeichen bei Hitze erkennen

Menschen mit Demenz können Beschwerden oft nicht klar mitteilen. Eine hilfreiche Orientierung für Angehörige ist deshalb immer die Frage: Ist heute etwas anders als sonst?

Geht die Person unsicherer? Spricht sie undeutlicher? Wirkt sie schläfriger, orientierungsloser oder ungewöhnlich unruhig? Auch Schwindel, Übelkeit, starke Schwäche, trockene heiße Haut oder starkes Schwitzen können wichtige Warnzeichen sein.

Bringen Sie die Person an einen kühleren Ort und lassen Sie sie nicht allein. Bieten Sie etwas zu trinken an, wenn sie wach ist und sicher schlucken kann. Bei Bewusstseinsstörungen, einer starken Verschlechterung des Zustands oder dem Verdacht auf einen Hitzschlag sollte sofort ärztliche Hilfe gerufen werden.

Mehr Hilfe für den Alltag mit Demenz

Die Begleitung eines Menschen mit Demenz bringt viele Fragen mit sich – nicht nur an heißen Tagen. Unser kostenfreier Ratgeber Für Menschen mit Demenz da sein bietet  praktische Anregungen für den Alltag, Wissen zum Umgang mit schwierigen Situationen und Hilfe zur Selbstfürsorge.

Bestellen


Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Haben Sie Fragen?

Vertrauen & Transparenz