Erster Bluttest auf Alzheimer erhält Marktzulassung

Wissenschaftlerin im Labor mit Reagenzglas in der Hand
  |   Forschung

Der erste Bluttest für eine frühe Diagnose der Alzheimer-Krankheit ist erhältlich. Der Test mit dem Namen Precivity AD-Bloodtest des US-amerikanischen Unternehmens C2N-Diagnostics hat sowohl eine Marktzulassung für die USA, als auch für die EU bekommen. In Europa wird er allerdings zunächst ausschließlich im Rahmen von wissenschaftlichen Studien eingesetzt.

Entwickelt haben ihn das Forscherduo Randall Batemann und David Holtzmann (Washington University School of Medicine). Unsere Partnerorganisation Bright Focus Foundation in den USA hat die Erforschung des Bluttests finanziell unterstützt.

Wie wird der Test durchgeführt?

Für den Test wird Blut entnommen und darin das Verhältnis der Amyloid-Beta-Varianten 40 zu 42 bestimmt. Amyloid-Beta ist ein giftiges Protein, dass sich bei der Alzheimer-Krankheit im Gehirn ablagert, aber eben auch im Blut nachweisbar ist. Außerdem wird beim Test das Alter der getesteten Person und eine genetische Komponente (ApoE4) berücksichtigt. Die Genauigkeit des Tests liegt bei 86% im Vergleich mit der Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die als besonders aussagekräftig gilt. Bei der PET-Untersuchung werden durch einen radioaktiven Marker die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn sichtbar gemacht.

Die Proteine, die mithilfe dieses Bluttests gemessen werden, befinden sich bereits in den Plaques. Deshalb ist der Test nur für Menschen geeignet, die bereits an Symptomen einer Alzheimer-Demenz leiden. Der Vorteil des Precivity AD-Bloodtest ist, dass er eben nur eine Blutentnahme – also einen minimal-invasiver Eingriff – erfordert. Doch die Methode der Massenspektrometrie zur Messung von Amyloid-Beta 40/42 bleibt sehr aufwändig. Zudem eignet sie sich nicht für eine Alzheimer-Prognose.

Bluttest der Uni Bochum kommt 2022

Der von uns geförderte Forscher Prof. Klaus Gerwert von der Ruhr-Universität Bochum arbeitet gemeinsam mit dem niederländischen Forscher Prof. Philip Scheltens an einem alternativen Bluttest. Bei diesem wird die Fehlfaltung von Amyloid-Beta bestimmt, die bereits zehn Jahre vor der eigentlichen Plaque-Bildung messbar ist. So kann der bereits patentierte Bluttest schon lange vor den ersten Symptomen genutzt werden. Dies wäre besonders dann nützlich, wenn ein Wirkstoff zur Behandlung der Krankheit verfügbar wäre. „Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass in den klinischen Studien heutzutage die Alzheimer-Medikamente zu spät gegeben werden“, sagt Prof. Klaus Gerwert.

Der Test von Prof. Gerwert erreicht bereits jetzt eine Genauigkeit von 90%. Zusätzlich soll neben der Fehlfaltung auch noch das Amyloid-Beta-Verhältnis 40/42 gemessen werden, wie bei dem jüngst zugelassenen Bluttest aus den USA. Dadurch steigt die Genauigkeit sogar auf 99%. Eine Zulassung für den Test von Prof. Gerwert wird Anfang des Jahres 2022 erwartet.

Weitere Informationen

Forschungsprojekt von Prof. Gerwert

Diagnose der Alzheimer-Krankheit

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Lesen Sie das bewegende Interview!

Zehn Jahre hat Christa Schneider ihre an Alzheimer erkrankte Mutter Trudi begleitet. In einem bewegenden Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen mit der Krankheit. Ihr Fazit: vorbeugen so gut es geht und spenden für die Alzheimer-Forschung.

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