07.04.2011

Neue Risiko-Gene für Alzheimer entdeckt

Mehr als 95% der Alzheimer-Erkrankungen treten erst nach dem 65. Lebensjahr auf und haben keine eindeutige genetische Ursache. Allerdings gibt es genetische Risikofaktoren, die zusammen mit Umweltfaktoren einen Teil des Risikos für die Alzheimer-Krankheit erklären können.

20 Jahre nach der bahnbrechenden Beschreibung des Apolipoprotein-e4-Allels als genetischen Risikofaktor der Alzheimer-Krankheit durch Prof. Allen Roses Anfang der 90er Jahre, werden nach dem heutigen Kenntnisstand vier weitere Genvarianten als Risikofaktoren für die späte Form der Alzheimer-Krankheit betrachtet.

Jetzt haben Forscher von 44 internationalen Institutionen die Auswertung der Daten von knapp 60.000 Probanden publiziert. Dem Konsortium gehören auch einige Forscher an, die in der Vergangenheit durch Spendengelder der Alzheimer Forschung Initiative in ihrer Forschungsarbeit* gefördert worden sind. Das Ergebnis der Suche im Erbgut: Fünf neue Genvarianten, die in einem Zusammenhang mit dem Risiko für die Alzheimer-Krankheit stehen.

Wichtigstes Gen: Apolipoprotein e4

Das bedeutendste Alzheimer-Gen ist nach wie vor das Apolipoprotein e4. Träger bestimmter Varianten im APOE-Gen haben ein dreifach erhöhtes Risiko, wenn ein Allel betroffen ist. Sind beide Allele verändert, erhöht sich das Risiko um den Faktor acht. 2007 wurde SORL-1 als Gen mit Alzheimer in Verbindung gebracht. Die 2009 identifizierten Gene CLU, PICALM und CR-1 sollen das Erkrankungsrisiko um 10 bis 30 Prozent erhöhen. Diese fünf Gene sind wichtig für die Funktion von Nervenzellen und sind am Stoffwechsel derjenigen Eiweiße beteiligt, die im Gehirn von Patienten mit Alzheimer-Krankheit verstärkt abgelagert werden. Sie beeinflussen den Stoffwechsel der Eiweißsubstanzen im Gehirn von Alzheimer-Patienten ungünstig.

Fünf neue Gene: MS4A, CD2AP, CD33,  EPHA1 und ABCA7

Jetzt haben Forscher von 44 internationalen Institutionen im Rahmen einer genomweiten Assoziationsstudie genetische Daten von knapp 60.000 Menschen ausgewertet und publiziert. Die in der hoch angesehenen Fachzeitschrift „Nature Genetics“ veröffentlichten Ergebnisse weisen darauf hin, dass immunologische Faktoren sowie Prozesse des Stofftransports und des Fettstoffwechsels dabei eine bedeutende Rolle spielen.

Ungefähr 20.000 der untersuchten Personen litten an der Alzheimer-Krankheit,  knapp 40.000 Menschen gehörten der gesunden Kontrollgruppe an. Beim Vergleich von Alzheimer-Patienten und älteren Menschen ohne Anzeichen von Demenz fielen fünf Genvarianten auf, die in einem Zusammenhang mit dem Alzheimer-Risiko standen: Varianten von MS4A, CD2AP, CD33,  EPHA1 und ABCA7.

Die insgesamt 10 identifizierten Gene lassen sich in 3 Gruppen aufteilen. Die erste Gruppe greift in den Fettstoffwechsel ein, die zweite Gruppe beeinflusst das Immunsystem und die dritte Gruppe liegt in der Zellmembran und könnte für den Membrantransport zuständig sein.

Das deutsche Ärzteblatt weist darauf hin, dass die neuen Genvarianten bezüglich der Erhöhung des Alzheimer-Risikos ihrer Träger von untergeordneter Bedeutung sein könnten. Ihre genaue Bedeutung müsse erst durch die Entwicklung von Gentests, die eine Erkrankung vorhersagen könnten, geprüft werden.

Prof. Harald Hampel, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Goethe-Universität sagt: „Die Studie bestätigt Forschungsergebnisse, die wir erst vor Kurzem mit dem internationalen Studienteam in „Nature Genetics“ publiziert haben. Diese Erkenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung dafür, neue Früherkennungs- und Diagnostikmaßnahmen zu entwickeln. Das bessere Verständnis der biologischen Grundlagen eröffnet darüber hinaus neue Möglichkeiten für eine effektivere Therapie.“

Weitere Informationen

Vorankündigungen für zwei Publikationen des Forscherkonsortiums auf der Webseite von „Nature Genetics“:

Common variants at ABCA7, MS4A6A/MS4A4E, EPHA1, CD33 and CD2AP are associated with Alzheimer's disease
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/abs/ng.803.html

Common variants at MS4A4/MS4A6E, CD2AP, CD33 and EPHA1 are associated with late-onset Alzheimer's disease
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/abs/ng.801.html

*Beteiligte Wissenschaftler die in der Vergangenheit durch die AFI gefördert wurden:
Frank Jessen, Heike Kölsch, Lutz Frölich & Michel Hüll

Quellen:
Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Pressemitteilung der J-W-G- Universität Frankfurt
http://www.muk.uni-frankfurt.de/news/hp_forschung/060/index.html

Ärzteblatt.de
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45345/Alzheimer_Fuenf_neue_Risikogene.htm

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