Aggression bei Demenz –
Ursachen & Hilfe für Angehörige
Wenn Menschen mit Demenz schimpfen, schreien oder aggressiv reagieren, ist das für Angehörige oft sehr belastend – besonders dann, wenn solche Reaktionen früher nie Teil der Beziehung waren.
Aggressives Verhalten kann im Verlauf einer Demenzerkrankung auftreten. Häufig steckt keine böse Absicht dahinter, sondern Überforderung, Angst oder das Gefühl, die Situation nicht mehr zu verstehen.
Auf dieser Seite erfahren Sie, warum es zu aggressivem Verhalten bei Demenz kommen kann und was im Alltag helfen kann, mit solchen Situationen besser umzugehen.

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Inhalt
Warum reagieren Menschen mit Demenz oft aggressiv?
Auslöser für Aggression: Das „Warum“ verstehen
Hilfen für belastende Situationen
Warum reagieren Menschen mit Demenz häufig aggressiv?
Aggressives oder sehr unruhiges Verhalten kommt bei vielen Menschen mit Demenzerkrankungen vor und ist sowohl für die erkrankte Person als auch für Angehörige und Pflegende sehr belastend.
Aggressive Reaktionen wie Schimpfen oder lautes Verhalten sind meist ein Zeichen von großer Überforderung. Sie entstehen zum Beispiel dann, wenn alltägliche Dinge nicht (mehr) gelingen, Abläufe nicht verstanden werden oder sich jemand verunsichert oder bedroht fühlt. In solchen Momenten fehlt oft die Möglichkeit, sich anders auszudrücken
Für Angehörige ist in dieser Situation vor allem eines wichtig: Ruhe zu bewahren – auch wenn das nicht immer leicht ist.
Aggressives Verhalten ist nichts Persönliches. Es zeigt, dass der Mensch mit Demenz gerade mit der Situation nicht zurechtkommt und Unterstützung braucht.

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Auslöser für Aggression: Das „Warum“ verstehen
Bei Menschen mit Demenz können viele Situationen zu Auslösern von Aggressionen werden.
- Zu Beginn der Erkrankung sind es oft alltägliche Situationen, in denen jemand seine Defizite wahrnimmt, zum Beispiel Vergesslichkeit oder Sprachprobleme.
- Auch Gedanken wie „Habe ich etwas Wichtiges vergessen?“ oder Sorgen um die Zukunft können zu aggressiven Reaktionen führen.
- Sich in der eigenen Wohnung nicht mehr zurechtzufinden, gewohnte Abläufe nicht mehr zu verstehen und das Gefühl zu haben, fremdbestimmt zu werden, sind mögliche Auslöser für plötzliche Ängste und Wut.
- Im späteren Stadium können auch fremde Gesichter, Geräusche, Stimmen oder grelles Licht von Erkrankten als bedrohlich empfunden werden.
Hilfen für belastende Situationen
- Ist der Stress einmal da, helfen vor allem Geduld, Gleichmut und Einfühlungsvermögen. Versuchen Sie herauszufinden, was den Menschen so stresst und beseitigen Sie nach Möglichkeit den Auslöser.
- Vermeiden Sie auf jeden Fall, selbst wütend oder vorwurfsvoll zu reagieren. Auch „vernünftige Argumente“ helfen in emotional aufgeladenen Situationen meist nicht weiter.
- Zeigen Sie Verständnis für Ihr Gegenüber und machen Sie sich klar, dass er oder sie Sie braucht, um wieder aus der frustrierenden Situation hinauszukommen. Versuchen Sie, mit sanfter Sprache und beruhigenden Gesten zu trösten.
- Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf etwas Positives oder Interessantes. Das kann eine beruhigende Melodie, ein Fotoalbum oder eine angenehme Tätigkeit sein.
- Muten Sie sich nicht zu viel zu! Wenn es zu viel wird, verlassen Sie kurz die Situation oder bitten Sie jemanden um Hilfe.
Worauf können Angehörige vorbeugend achten?
Aggressives oder unangemessene Reaktionen kommen häufig unerwartet, selbst für Menschen, die sich schon länger um jemanden mit einer Demenzerkrankung kümmern. Dennoch immer ein Versuch wert: Vorbeugende Maßnahmen, die Struktur in den Alltag bringen und stressige Situationen weitestgehend vermeiden.
- Geregelter Tagesablauf: Menschen mit Demenz fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was als Nächstes kommt. Ein gut strukturierter Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten, Ruhephasen und Aktivitäten gibt Sicherheit und Orientierung. Wie Routinen dabei unterstützen, lesen Sie hier.
- Klare Kommunikation: Frustration entsteht oft durch das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Hier finden Sie Tipps für eine gute Kommunikation.
- Regelmäßige Gesundheitschecks: Auch Schmerzen oder andere gesundheitliche Probleme können zu aggressivem Verhalten führen. Stellen Sie sicher, dass körperliche Beschwerden behandelt werden.
- Belastende Situationen und Orte vermeiden: Grelles Licht, viele Menschen oder Lärm können Menschen mit Demenz schnell überfordern. Meiden Sie hektische Orte oder planen Sie bei außergewöhnlichen Terminen wie Arztbesuchen genügend Vorbereitungszeit ein.
- Training für Angehörige: In Kursen für pflegende Angehörige können Sie lernen, mit schwierigem Verhalten und seelischen Auffälligkeiten bei Demenz umzugehen. Trainings dieser Art verbessern Ihre eigene und auch die Situation der erkrankten Person.

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Stress reduzieren bei Demenz

Achten Sie auf Ihre Gesundheit
Wenn Sie einen Menschen mit Demenz betreuen, ist es wichtig, gut auf sich selbst zu achten. Aggressive Vorfälle sind nie einfach, besonders wenn man jemanden liebt und sich täglich um ihn kümmert.
Sprechen Sie über Ihre Gefühle und versuchen Sie, Abstand zu gewinnen, indem Sie sich zum Beispiel mit anderen Angehörigen austauschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Wenn sich die Ereignisse häufen, besprechen Sie die Situation mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Autorin
Petra Lindenberg, M.A.
hat sich nach ihrem Studium der Sprachwissenschaft als Texterin im Online-Marketing spezialisiert. Seit 2022 arbeitet sie bei der AFI in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit.



