Mit Erkrankten richtig sprechen

Kommunikation & Validation bei Demenz

Bei Demenz verändert sich die Kommunikation im Alltag. Wörter fehlen, Gedanken brechen ab oder Antworten brauchen länger als früher. 

Für Angehörige kann das anstrengend sein. Vor allem dann, wenn dieselben Fragen immer wieder kommen, nach Menschen gefragt wird, die bereits verstorben sind oder plötzlich Vorwürfe im Raum stehen.

Kommunikation bleibt dennoch möglich. Sie folgt nur oft anderen Regeln als früher. Auf dieser Seite erfahren Sie, warum sich Sprache verändert, wie Validation funktioniert und wie Sie in typischen Gesprächssituationen reagieren können.

Warum Gespräche bei Demenz schwieriger werden

Bei Demenz verändern sich auch die Sprache und das Verstehen. Das kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen:

  • Unklare oder „verwaschene“ Sprache: Gesagtes kann schwer verständlich sein, die Aussprache wird undeutlich oder „verschwommen“.
  • Erschwertes Verstehen: Gesprächen oder Fernsehsendungen zu folgen wird zunehmend schwieriger. Auch Witze, Wortspiele, Ironie oder Mehrdeutigkeiten werden nicht mehr verstanden.
  • Abgebrochene Gedanken: Sätze bleiben unvollständig, Gespräche verlieren den Zusammenhang oder führen ins Leere.
  • Abnehmende Lese- und Schreibfähigkeiten: Das Erfassen von Texten oder das Schreiben von Wörtern wird schwieriger.
  • Wechsel in eine frühere Muttersprache: Manche Menschen wechseln wieder stärker in die Sprache, die sie in der Kindheit gelernt haben.

Das alles kann Gespräche für beide Seiten anstrengender machen. Umso wichtiger sind Zeit, Ruhe und die Bereitschaft, nicht jedes Gespräch wie früher führen zu wollen.

Validation – ein wichtiger Baustein der Kommunikation

Bei Demenz können Erinnerungen und zeitliche Orientierung durcheinandergeraten. Dann kann Validation helfen, mit der Person in Kontakt zu bleiben.

Was ist Validation?

Validation bedeutet, die veränderte Wahrnehmung ernst zu nehmen. Nicht zu korrigieren, sondern erst einmal verstehen, was die Person gerade erlebt.

Beispiel: Eine Frau mit Demenz sagt: „Ich muss nach Hause, mein Mann wartet auf mich.“

  • Nicht hilfreich: „Aber dein Mann ist doch schon lange verstorben.“
  • Besser: „Du denkst an deinen Mann. Was hat er immer gesagt, wenn du nach Hause gekommen bist?“

Die zweite Antwort bestätigt nicht, dass der Mann tatsächlich wartet. Sie nimmt aber ernst, dass er für die Frau in diesem Moment wichtig ist. Im Idealfall wird durch solche Fragen auch ein Gespräch ermöglicht.

Widerspruch bringt (meistens) nichts

Wenn jemand von etwas überzeugt ist, hilft ein sachlicher Widerspruch oft nicht weiter. Er kann verunsichern oder Streit auslösen. Validation heißt deshalb nicht, alles zu bestätigen. Es geht darum, die Gefühle hinter einer Aussage ernst zu nehmen und nicht jedes Mal auf der Faktenebene zu diskutieren.


Typische Gesprächssituationen: Wie sage ich's am besten?

Im Alltag entstehen immer wieder Situationen, in denen Angehörige unsicher sind, wie sie reagieren sollen. Soll ich die Wahrheit sagen? Wann soll ich widersprechen? Und was antworte ich, wenn dieselbe Frage immer wieder gestellt wird? Hier finden Sie typische Situationen und mögliche Antworten.


7 Tipps für gelungene Kommunikation

Tipp 1: Auf Augenhöhe sprechen

Menschen mit Demenz nehmen oft nicht mehr jedes Wort genau wahr, aber sie spüren, wie etwas gesagt wird. Ein ruhiger Tonfall, Blickkontakt und eine offene Haltung können Vertrauen und Sicherheit vermitteln.

Wichtig ist, der Person auf Augenhöhe zu begegnen. Dazu gehört, sie beim Sprechen anzuschauen, nicht zu unterbrechen und ihre Sätze nicht zu beenden. Auch wenn das Gespräch ins Stocken gerät oder nur eine kurze Antwort kommt, zählt die Aufmerksamkeit, die ihr oder ihm entgegengebracht wird.

Tipp 2: Einfache Sätze verwenden

Menschen mit Demenz haben zunehmend Schwierigkeiten, längeren Sätzen zu folgen. Kurze, klare Aussagen mit nur einer Information, wie „Wir essen jetzt zu Mittag.“ sind leichter verständlich.

Auch Fragen sollten möglichst unkompliziert sein. Ja-/Nein-Fragen oder Auswahlmöglichkeiten sind oft besser als offene Fragen. Statt „Was möchtest du trinken?“ kann „Möchtest du Orangensaft oder Apfelsaft?“ eine Antwort erleichtern. Zudem wird das gute Gefühl gestärkt, eine eigene Entscheidung getroffen zu haben.

Tipp 3: Die Wahrnehmung der erkrankten Person akzeptieren

Durch nachlassendes Kurzzeitgedächtnis und Probleme mit der zeitlichen Orientierung kann Vergangenes wieder zur Gegenwart werden. Menschen mit Demenz können dann Zeit und Ort verwechseln oder von Dingen überzeugt sein, die so nicht stimmen.

Gehen Sie in solchen Situationen möglichst einfühlsam und geduldig mit den Äußerungen um. Vermeiden Sie Verbesserungen oder Zurechtweisungen, da diese die erkrankte Person verunsichern oder verärgern können.

Tipp 4: Einen Bezug zur Umgebung herstellen

Wenn Sie mit einem erkrankten Menschen sprechen, beziehen Sie sich am besten auf Personen, Dinge und Geräusche in der Umgebung. Ein Satz wie „Wir essen jetzt zu Mittag“ wird besser verstanden, wenn man das Essen schon riechen oder auf dem Tisch stehen sehen kann.

Bei Menschen mit nachlassendem Gedächtnis ist auch das „Heute“ ein guter Bezug, zum Beispiel indem man darüber spricht, was man heute macht oder was es heute zum Abendessen gibt.

Tipp 5: Geduld haben und Zeit geben

Sprechen Sie langsam und deutlich und wiederholen Sie wichtige Informationen bei Bedarf auch mehrmals. Verwenden Sie möglichst dieselben einfachen Worte. Das erleichtert das Verstehen.

Achten Sie darauf, dass Sie zwischendurch Pausen einlegen, um Ihrem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, zu antworten. Lassen Sie der erkrankten Person Zeit, das zu sagen, was ihr auf dem Herzen liegt – auch wenn es länger dauert.

Tipp 6: Mimik, Gestik, Blickkontakt

Verwenden Sie eine klare Körpersprache und eine prägnante Mimik und Gestik, um das Gesagte zu unterstützen und das Verständnis zu erleichtern. Zum Beispiel kann die Frage „Möchtest du einen Kaffee“ mit einer einfachen Trinkgeste unterstützt werden.

Wichtig ist auch der Blickkontakt. Er gibt Halt und Sicherheit und ist vor allem im späten Krankheitsstadium neben der Berührung oft der einzige Weg, miteinander in Beziehung zu treten.

Tipp 7: Immer in Verbindung bleiben

Auch wenn die Sprache verloren geht, ist es wichtig, in Verbindung zu bleiben. Schauen Sie sich gemeinsam alte Fotos an, hören Sie die Lieblingsmusik der erkrankten Person oder sitzen Sie bei gutem Wetter einfach zusammen draußen.

Selbst zum Ende der Erkrankung, wenn Menschen kaum noch reagieren, nehmen sie auf emotionaler Ebene dennoch wahr, dass jemand da ist, sie umarmt, berührt, mit ihnen spricht. So können bis zum letzten Stadium der Demenz noch schöne Momente der Nähe entstehen.

Download zum Ausdrucken

7 Tipps für die Kommunikation bei Demenz

Mit Klick auf „Download“ sind Sie damit einverstanden, dass wir Sie mit unserem E-Mail-Newsletter über unsere Aktivitäten informieren. Freuen Sie sich auf spannende Neuigkeiten aus der Alzheimer- und Demenzforschung sowie über aktuelle Projekte und Broschürenangebote. Widerruf jederzeit möglich. Datenschutzerklärung


Mehr Informationen zum Thema

Umgang mit Demenz

Erste Orientierung für (pflegende) Angehörige

Mehr

Hinlauftendenz

Wenn Menschen mit Demenz unruhig werden und weglaufen

Mehr

Aggressives Verhalten einordnen

Was tun, wenn jemand wütend reagiert?

Mehr


Letzte Aktualisierung: August 2026

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Haben Sie Fragen?

Vertrauen & Transparenz