Halluzinationen bei Demenz:
Ursachen und richtiger Umgang
Halluzinationen können bei Menschen mit Demenz in jedem Krankheitsstadium auftreten.
Dabei sehen, hören, riechen oder fühlen Menschen Dinge, die nicht vorhanden sind, zum Beispiel Personen im Raum, Tiere, Schatten oder Stimmen. Für sie selbst wirken diese Wahrnehmungen jedoch real.
Treten Halluzinationen plötzlich neu auf oder nehmen deutlich zu, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. Dahinter können auch andere Ursachen stecken, etwa ein Delir, eine Infektion, Medikamente oder Sehprobleme.

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Inhalt
Was sind Halluzinationen bei Demenz?
Halluzinationen vs. Wahnvorstellungen - was sind die Unterschiede?
Warum treten Halluzinationen bei Demenz auf?
Was sind Halluzinationen bei Demenz?
Bei Halluzinationen sehen, hören, riechen oder fühlen Menschen etwas, das nicht da ist. Manche hören Stimmen oder sprechen mit längst verstorbenen Angehörigen. Andere riechen Rauch, sehen Ameisen im Essen oder haben das Gefühl, ihre Haare würden brennen.
Für die Person sind diese Wahrnehmungen real. Sie können Angst und Unruhe auslösen, manchmal aber auch beruhigend oder tröstlich wirken. Wichtig ist deshalb nicht nur, was wahrgenommen wird, sondern auch, wie die Person darauf reagiert.
Von Halluzinationen zu unterscheiden ist, wenn vorhandene Dinge falsch erkannt werden. Wenn zum Beispiel ein Mantel im Halbdunkel für eine Person gehalten wird, ist dies keine Halluzination.

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Halluzinationen vs. Wahnvorstellungen – was sind die Unterschiede?
Halluzinationen und Wahnvorstellungen sind nicht dasselbe:
- Halluzination: Eine Person nimmt etwas wahr, das nicht da ist. Beispiel bei Demenz: „Da sind Katzen im Zimmer.“ Die Person sieht die Katzen tatsächlich, obwohl das Zimmer leer ist.
- Wahnvorstellung: Eine Person ist fest von etwas überzeugt, das nicht stimmt. Beispiel bei Demenz: „Die Pflegerin stiehlt mein Geld.“ Dafür gibt es keine Belege, aber für die erkrankte Person fühlt sich dies so echt an, dass sie sich kaum vom Gegenteil überzeugen lässt.
Halluzinationen und Wahnvorstellungen können auch in Verbindung vorkommen, zum Beispiel wenn jemand eine Person sieht oder hört, die gar nicht da ist und dann zu glauben beginnt, diese Person würde im Zimmer nebenan wohnen. Typisch bei Demenz sind Wahnvorstellungen, bei denen die erkrankte Person glaubt, bestohlen, verfolgt oder betrogen zu werden.
Wichtig ist, zu verstehen, dass sich sowohl Halluzinationen als auch Wahnvorstellungen für Menschen mit Demenz real anfühlen, auch wenn sie bizarr oder eigentlich unmöglich sind.
Warum treten Halluzinationen bei Demenz auf?
Halluzinationen können entstehen, wenn das Gehirn Sinneseindrücke nicht mehr zuverlässig verarbeitet und einordnet. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, jedoch wirken vermutlich mehrere Veränderungen zusammen, darunter eine gestörte Verarbeitung von Wahrnehmungen und Veränderungen bei verschiedenen Botenstoffen im Gehirn.
Andere Gründe für Halluzinationen können schlechtes Sehen oder Hören, Nebenwirkungen von Medikamenten, ungewöhnliche Veränderungen im Leben der erkrankten Person oder Überforderung sein.
Besonders häufig treten lebhafte Halluzinationen bei der Lewy-Körperchen-Demenz und bei einer Demenz im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit auf.
Häufig handelt es sich um optische Halluzinationen. Dabei sehen Menschen mit Demenz zum Beispiel Personen oder Tiere, die nicht da sind. Halluzinationen können aber auch bei einer Alzheimer-Demenz und anderen Demenzformen vorkommen.
Bestimmte Umstände können Halluzinationen begünstigen oder verstärken. Dazu gehören schlechte Beleuchtung, Seh- oder Hörprobleme, Schlafmangel, Stress, Schmerzen und eine ungewohnte Umgebung. Auch Medikamente, Infektionen, Stoffwechselstörungen oder Flüssigkeitsmangel können eine Rolle spielen.
Treten Halluzinationen innerhalb weniger Stunden oder Tage neu auf, besonders zusammen mit starker Verwirrtheit, verminderter Aufmerksamkeit oder ungewöhnlicher Schläfrigkeit, kann ein Delir dahinterstecken. In diesem Fall ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig.

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Wie können Angehörige bei Halluzinationen reagieren?
Nicht jede Halluzination muss unterbrochen werden. Wirkt die erkrankte Person ruhig, kann es besser sein, die Situation zunächst zuzulassen. Unterhält sich die Oma zum Beispiel entspannt mit ihrer verstorbenen Schwester, muss sie nicht darauf hingewiesen werden, dass niemand da ist.
Löst die Halluzination dagegen Angst oder Unruhe aus, sollten Angehörige ruhig bleiben und Sicherheit vermitteln. Sätze wie „Da ist doch niemand“ führen meist nicht weiter. Besser ist es, das Gefühl aufzugreifen und Sicherheit zu geben, etwa mit den Worten: „Das macht dir Angst. Ich bin bei dir.“ Mehr dazu: Kommunikation und Validation bei Demenz.
Manchmal hilft es, gemeinsam in einen anderen Raum zu gehen, das Licht einzuschalten, Musik anzumachen oder etwas Vertrautes zu tun. Achten Sie auch darauf, ob Schatten, Spiegelungen, der Fernseher oder ungewohnte Geräusche die Person zusätzlich verunsichern.

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So können Sie die Person unterstützen:
- Ruhig bleiben: Sprechen Sie langsam und mit ruhiger Stimme.
- Gefühle ernst nehmen: Gehen Sie auf Angst oder Unruhe ein, statt über die Wahrnehmung zu diskutieren.
- Sicherheit vermitteln: Zeigen Sie, dass die Person nicht allein ist.
- Behutsam umlenken: Wechseln Sie den Raum oder bieten Sie eine vertraute Beschäftigung an.
- Umgebung prüfen: Achten Sie auf schlechte Beleuchtung, Schatten, Spiegelungen und störende Geräusche.
Was hilft, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Entscheidend ist, ruhig zu bleiben und darauf zu achten, was der Person gerade Sicherheit gibt.
Was kann helfen, Halluzinationen zu verringern?
Halluzinationen lassen sich nicht immer verhindern. Es kann helfen, mögliche Auslöser zu erkennen und für einen ruhigen, vertrauten Tagesablauf zu sorgen.
Beobachten Sie, wann die Halluzinationen auftreten und ob es wiederkehrende Situationen gibt. Notizen können dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, zum Beispiel mit bestimmten Tageszeiten, Veränderungen im Tagesablauf oder einer ungewohnten Umgebung.
Achten Sie außerdem auf eine gute Beleuchtung und möglichst wenig störende Geräusche. Vertraute Räume, feste Abläufe und bekannte Bezugspersonen geben Orientierung und Sicherheit. Ist ein Umzug oder ein Aufenthalt in einer neuen Umgebung notwendig, können vertraute Gegenstände dabei helfen, sich besser zurechtzufinden.
Auch eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll. Dabei kann geprüft werden, ob körperliche Beschwerden, Seh- oder Hörprobleme oder Veränderungen der Medikation eine Rolle spielen. Auch kann ärztlich abgewogen werden, ob Medikamente verordnet werden sollten.
Praktische Hilfe für den Alltag mit Demenz
Halluzinationen sind nur eine von vielen Situationen, die Angehörige im Alltag verunsichern können. Unser Ratgeber „Für Menschen mit Demenz da sein“ gibt Orientierung und praktische Tipps zu Kommunikation, Verhalten und Selbstfürsorge.
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Mehr Informationen zum Thema
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nemke/Canva
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Autorin
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert. Seit 2024 leitet sie bei der AFI die Abteilung Wissenschaft.
Letzte Aktualisierung: Juli 2026






