Wortfindungsstörungen – normal oder Demenz?

Wortfindungsstörungen können ein frühes Symptom von Demenzerkrankungen sein, insbesondere bei Alzheimer-Demenz und der Primär progressiven Aphasie (PPA), die zu den frontotemproralen Demenzen (FTD) gehört.

Menschen zögern oder machen lange Pausen im Satz, weil sie ein bestimmtes Wort suchen. Auch die Verwendung von Ersatzwörtern und Oberbegriffen oder die umständliche Umschreibung von Inhalten sind typisch. 

Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Sprach- und Wortfindungsprobleme bei Demenz auftreten, wie sie sich von normalem Altern unterscheiden und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Sprachveränderungen im Alter - was ist normal?

Wortfindungsstörungen erleben viele Menschen im höheren Lebensalter, meist sind diese jedoch kein Grund zur Sorge. Gelegentliche Schwierigkeiten, Namen und Gesichter schnell miteinander zu verknüpfen oder einen bestimmten Begriff nicht sofort parat zu haben, gehören zum normalen Alterungsprozess.

Viele ältere Menschen erleben, dass ihnen ein Name oder ein Begriff zwar „auf der Zunge liegt“, sich aber im Moment nicht abrufen lässt. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Tip-of-the-tongue“-Phänomen, das mit fortschreitendem Alter häufiger auftritt.

Studien zeigen, dass der Wortschatz im Alter grundsätzlich stabil bleibt und sich durch neue Erfahrungen sogar ständig erweitert. Wörter gehen bei gesunden Menschen also nicht verloren – das Abrufen kann lediglich mehr Zeit benötigen.

Unabhängig davon kann die sprachliche Ausdrucksfähigkeit im Alter auch durch andere Faktoren beeinträchtigt werden, etwa durch ein nachlassendes Hör- oder Sehvermögen oder durch Nebenwirkungen bestimmter Medikamente.

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Wortfindungsstörungen bei Demenz – und wie man sie erkennt

Wortfindungsstörungen sind bei Menschen mit Demenz, insbesondere bei Alzheimer, häufig zu beobachten. Typisch sind dabei vor allem drei Erscheinungsformen:

  • Pausen und Zögern: Wenn es schwerfällt, ein passendes Wort zu finden, entstehen häufig längere Sprechpausen – auch mitten im Satz.
  • Ersetzen: Nicht verfügbare Begriffe werden oft durch ähnliche Wörter oder Oberbegriffe ersetzt. So kann etwa das Wort Hund durch Katze oder Tier ausgetauscht werden. Auch Platzhalter wie es oder Dingsbums oder Wortneuschöpfungen wie Mundreiniger statt Zahnbürste kommen vor.
  • Umschreiben: Statt des gesuchten Wortes verwenden Menschen mit Demenz Umschreibungen, wie Menschen haben die als Haustiere, sie bellen, ich hatte als Kind einen...

Sprachliche Veränderungen bei Demenz verlaufen individuell, nehmen jedoch im Laufe der Zeit zu. Treten bei einer Person, die zuvor keine Sprachprobleme hatte, neu oder zunehmend Wortverwechslungen, auffällige Sprechpausen oder eine deutlich verminderte Verständlichkeit auf, sollte dies medizinisch abgeklärt werden.

Weitere Veränderungen in Sprache und Kommunikation

Neben Wortfindungsstörungen kann sich die Sprache bei Menschen mit Demenz auch in anderer Form verändern. Welche Auffälligkeiten auftreten, hängt unter anderem davon ab, welche Hirnregionen betroffen sind.

  • Wiederholungen: Manche stellen immer wieder dieselbe Frage oder wiederholen Sätze.
  • „Verwaschene“ Sprache: Die Aussprache wird zunehmend undeutlich oder „verschwommen“.
  • Verständnisprobleme: Gesprochene Inhalte – etwa Gespräche oder Fernsehsendungen – werden nur teilweise oder gar nicht mehr verstanden.
  • Satzabbrüche: Gedanken bleiben unvollständig, Gespräche verlieren den Zusammenhang oder führen ins Leere.
  • Abnehmende Lese- und Schreibfähigkeiten: Das Lesen und Schreiben von Wörtern fällt schwerer, ebenso das Erfassen von Texten. Auch schriftliches Rechnen kann problematisch werden.
  • Wechsel in eine frühere Muttersprache: Mehrsprachige Menschen greifen vermehrt auf ihre erste erlernte Sprache zurück.
  • Laute Selbstgespräche: Diese dienen häufig der eigenen Orientierung oder Beruhigung.
  • Enthemmte Sprache: Es können Wörter oder Ausdrücke verwendet werden, die früher vermieden wurden, etwa Flüche, Beleidigungen oder sexuelle Anzüglichkeiten.

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Aphasie bei Demenz – was bedeutet das?

Sprachstörungen, die durch eine Erkrankung des Gehirns verursacht werden, werden medizinisch als Aphasie bezeichnet. Bei Demenzerkrankungen entsteht eine Aphasie in der Regel nicht plötzlich, sondern entwickelt sich allmählich und verstärkt sich im Krankheitsverlauf.

Während bei der Alzheimer-Demenz Wortfindungs- und Sprachprobleme häufig erst in späteren Stadien deutlich zunehmen, stehen sie bei der Primär progressiven Aphasie (PPA) von Beginn an im Vordergrund. Diese besondere Form der Demenz betrifft vor allem die Sprachzentren des Gehirns.

Wichtig ist: Nicht jede Wortfindungsstörung ist eine Aphasie. Erst wenn das Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben deutlich und dauerhaft beeinträchtigt sind, spricht man von einer Sprachstörung im medizinischen Sinn.

Wann sollte man Wortfindungsstörungen ärztlich abklären?

Wortfindungsprobleme treten im höheren Lebensalter häufiger auf. Sie können auch dann vorkommen, wenn jemand müde ist, unter Stress steht oder sich nur schwer konzentrieren kann. Solche vorübergehenden Schwierigkeiten sind zunächst kein Hinweis auf eine Erkrankung.

Eine ärztliche Abklärung kann trotzdem sinnvoll sein. Das gilt vor allem dann, wenn weitere Veränderungen dazukommen, zum Beispiel:

  • die Sprache wirkt stockend oder umständlich, mit vielen Pausen oder Wortverwechslungen
  • vertraute Namen von Familienmitgliedern oder alltäglichen Dingen fallen immer wieder nicht ein
  • das Sprachverständnis verändert sich, wenn etwa Witze, Ironie oder Mehrdeutigkeiten nicht mehr erkannt werden
  • das Kurzzeitgedächtnis und/oder die Orientierung lassen nach, oder das Verhalten verändert sich deutlich

Bei Verdacht auf eine Demenzerkrankung ist die hausärztliche Praxis in der Regel die erste Anlaufstelle. Von dort kann bei Bedarf an Fachärztinnen und Fachärzte oder an eine Gedächtnisambulanz überwiesen werden.


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Quelle

Vitali, Paolo. “Language in Normal Ageing and Dementia.” World Alzheimer Report 2021

 

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