Ernährung bei Demenz:
Tipps zu Essen und Trinken

Eine Demenz kann das Ess- und Trinkverhalten deutlich verändern.

Manche Menschen verlieren den Appetit oder trinken zu wenig. Andere möchten sehr häufig essen oder entwickeln eine starke Vorliebe für Süßes. Im weiteren Verlauf können auch Kau- und Schluckbeschwerden hinzukommen.

Für Angehörige sind solche Veränderungen oft mit Stress und Sorge verbunden. Hier erfahren Sie, welche Ursachen dahinterstecken können und was im Alltag hilft, damit Menschen mit Demenz ausreichend essen und trinken.

Wie verändert eine Demenz das Essverhalten?

Bei Menschen mit Demenz gehen zunächst nach und nach Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn verloren. Später sterben die Zellen selbst, sodass schließlich ganze Hirnbereiche nicht mehr richtig funktionieren. Was das Essen und Trinken betrifft, können die Veränderungen ganz unterschiedlich sein.

Es gibt jedoch einige typische Muster:

  • Probleme mit komplexen Abläufen von der Planung des Wocheneinkaufs bis zur Zubereitung einer Tasse Kaffee.
  • Verändertes Geschmacksempfinden: Was früher geschmeckt hat, wird plötzlich abgelehnt (und umgekehrt).
  • Appetitlosigkeit oder ständiger Hunger, weil Wahrnehmungen wie das Hunger- oder Sättigungsgefühl gestört sind.
  • Weniger Durstempfinden, was das Risiko für Flüssigkeitsmangel erhöht.
  • Vergesslichkeit, beispielsweise wie man Essen zubereitet oder Besteck benutzt.
  • Schnelle Ablenkbarkeit und verminderte Konzentration bei Mahlzeiten.
  • Schluckstörungen, vor allem im fortgeschrittenen Stadium.

Für Angehörige kann das veränderte Essverhalten im Pflegealltag belastend sein. Viele machen sich Sorgen, wenn Mahlzeiten stehen bleiben, jemand zu viel oder unausgewogen isst oder kaum noch trinkt. Wichtig ist zu wissen, dass viele dieser Veränderungen durch die Erkrankung enstehen. Manche Schwierigkeiten lassen sich gut beheben, für andere müssen im Alltag neue Lösungen gefunden werden.

Weitere Aspekte zum Umgang im Alltag mit Demenz lesen Sie hier.

Was hilft, um die Ernährung von Menschen mit Demenz zu verbessern?

Problem 1: Jemand isst und/oder trinkt zu wenig

Wenn Menschen mit Demenz zu wenig essen und/oder trinken, kann das viele Gründe haben: Vielleicht wird Hunger nicht mehr richtig wahrgenommen. Vielleicht ist das Kochen zu kompliziert geworden. Vielleicht schmeckt das Essen anders als früher. Auch Schmerzen, Probleme mit den Zähnen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder andere Erkrankungen können dazu führen, dass jemand weniger isst.

Bei hohen Temperaturen steigt das Risiko für Flüssigkeitsmangel zusätzlich. Was Angehörige dann beachten sollten, lesen Sie auf unserer Seite Hitze bei Demenz.

  • Versuchen Sie herauszufinden, welche Gründe hinter der Situation stecken: Gibt es Anzeichen für Krankheiten? Bleiben alle Mahlzeiten stehen oder nur bestimmte? Kam die Appetitlosigkeit plötzlich oder schleichend?
  • Prüfen Sie die Versorgung mit Essen und Trinken. Falls die Person sich nicht mehr selbst versorgt, können vorbereitete Mahlzeiten oder ein Lieferdienst unterstützen.
  • Bieten Sie kleine Portionen und Fingerfood an. Schon der Anblick kann den Appetit anregen.
  • Bieten Sie vertraute Lieblingsgerichte an. Oft bleiben alte Geschmacksvorlieben lange erhalten und können den Appetit anregen.
  • Beziehen Sie die Person nach Möglichkeit ein. Vertraute Tätigkeiten wie Gemüse waschen, Teig rühren oder den Tisch decken können Freude machen und Orientierung geben. Entscheidend ist nicht das Ergebnis, sondern dass die Person weiterhin mitmachen kann.
  • Reichern Sie das Essen bei Bedarf an, zum Beispiel mit Sahne, Butter, Crème fraîche oder vollfetten Käse. 
  • Würzen Sie die Speisen kräftiger, sofern die Person das mag. Geeignet sind zum Beispiel Kräuter, Gewürze, Zwiebeln oder Knoblauch.
  • Bleiben Sie bei ungewöhnlichesn Kombinationen gelassen. Dahinter kann ein veränderter Geruchs- oder Geschmackssinn stecken.
  • Essen Sie nach Möglichkeit gemeinsam. In vertrauter Gesellschaft fällt das Essen vielen Menschen mit Demenz leichter.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat einholen?

Lassen Sie die Ursachen ärztlich abklären, wenn die Person ungewollt Gewicht verliert, über längere Zeit kaum Appetit hat, auffällig schwach wirkt oder nur noch sehr wenig isst und trinkt. Auch schlecht sitzende Zahnprothesen, Schmerzen, Erkrankungen oder Medikamente können den Appetit beeinträchtigen.

Problem 2: Jemand isst zu viel oder verlangt nach Essen

Manche Menschen mit Demenz möchten sehr häufig essen – auch kurz nach einer Mahlzeit. Häufig können sie sich nicht daran erinnern, dass sie gerade gegessen haben. Auch das Sättigungsgefühl kann sich verändern. Mitunter steckt hinter dem Wunsch nach Essen auch Langeweile, Einsamkeit oder das Bedürfnis nach Beschäftigung.

Bei einer Frontotemporalen Demenz (FTD) kann sich das Essverhalten bereits früh deutlich verändern. Manche Menschen mit FTD entwickeln eine starke Vorliebe für Süßes und essen große Mengen an Eis, Keksen oder Kuchen. Auch ein gesteigertes Verlangen nach Alkohol oder Nikotin ist typisch.

  • Teilen Sie Mahlzeiten auf und geben Sie die zweite Hälfte als Nachschlag.
  • Halten Sie kleine Portionen bereit, zum Beispiel Obst, Gemüse oder ein kleines belegtes Brot.
  • Bieten Sie regelmäßig etwas zu trinken an. 
  • Schlagen Sie nach dem Essen eine andere Beschäftigung vor, zum Beispiel einen Spaziergang oder eine vertraute Tätigkeit.
  • Bewahren Sie Lebensmittel möglichst außer Sichtweite auf, wenn der Anblick immer wieder einen Wunsch zu essen auslöst.
  • Schließen Sie giftige Dinge weg, die mit Süßem verwechselt werden können, zum Beispiel Waschmittelpods oder Spülmaschinentabs.
  • Reservieren Sie einen Tag in der Woche für Lieblingsessen, zum Beispiel Schokokuchen-Mittwoch oder Lasagne-Freitag.

Hinweise wie „Aber wir haben doch gerade gegessen!“ helfen häufig nicht, weil die Person sich nicht an die Mahlzeit erinnert. Sie können verunsichern oder zu Auseinandersetzungen führen.

Greifen Sie stattdessen den Wunsch auf und bieten Sie eine konkrete Lösung an, zum Beispiel: „Du möchtest noch etwas essen? Ich kann dir eine kleine Portion bringen.“

Mehr über Validierung und die Kommunikation bei Demenz.

Problem 3: Jemand lässt sich beim Essen leicht ablenken

Im Verlauf einer Demenz kann es schwerer werden, sich längere Zeit auf eine Mahlzeit zu konzentrieren. Schon kleine Reize wie ein klingelndes Telefon, laufender Fernseher oder Lichtreflexionen auf dem Tisch können die Aufmerksamkeit vom Essen weglenken.

Eine ruhige und übersichtliche Umgebung kann helfen:

  • Schalten Sie Radio und Fernseher während der Mahlzeiten aus. Leise Musik kann hingegen beruhigend wirken.
  • Stellen Sie nur das benötigte Geschirr und Besteck auf den Tisch. Es sollte zu greifen und deutlich zu erkennen sein.
  • Achten Sie auf klare farbliche Kontraste. Teller und Speisen sollten sich voneinander und vom Tisch abheben.
  • Vermeiden Sie stark gemusterte Tischdecken und störende Lichtreflexionen.
  • Lenken Sie die Aufmerksamkeit behutsam zurück zum Essen, zum Beispiel „Probier mal die Kartoffeln, die sind richtig gut”.

Gut zu wissen: Vertraute Handlungsabläufe bleiben bei einer Demenz häufig lange erhalten. Ein übersichtlich gedeckter Platz und gut sichtbares Besteck können dabei helfen, mit dem Essen zu beginnen. Manchen Menschen hilft es auch, wenn alle gemeinsam anfangen.

Problem 4: Selbstständiges Essen wird schwieriger

Mit fortschreitender Demenz wird es für Menschen zunehmend schwierig, sicher zu essen. Bewegungsabläufe werden unsicherer und die Aufmerksamkeit lässt nach. Kleine Hilfen können dazu beitragen, dass die Person möglichst lange selbstständig isst.

  • Nehmen Sie kleine Missgeschicke gelassen. Kleidung lässt sich waschen, Tischdecken auch.
  • Probieren Sie geeignetes Geschirr und Besteck aus: Teller mit erhöhtem Rand, Schüsseln, gut greifbare Löffel und rutschfeste Unterlagen können das Essen erleichtern.
  • Schneiden Sie Pizza oder Brote in mundgerechte Stücke oder bieten Sie Fingerfood, wie warme Kartoffeln, kleine Schnitzel oder Frikadellen an. 
  • Achten Sie auf eine bequeme und aufrechte Sitzposition. Stuhl und Tisch sollten so stehen, dass die Person gut an ihr Essen herankommt.
  • Unterstützen Sie nur so weit wie nötig. Geben Sie der Person ausreichend Zeit, selbst zu essen.

Tipp: Wenn alle das Gleiche essen, fühlt sich niemand ausgeschlossen. Kochen Sie daher für alle möglichst das gleiche Gericht und bereiten Sie es so vor, damit es für jeden gleich aussieht. Besondere Anforderungen, etwa bei Kau- oder Schluckbeschwerden, gehen jedoch vor.

Was hilft bei starkem Bewegungsdrang?

Manche Menschen mit Demenz können nur schwer längere Zeit am Tisch sitzen. Sie stehen während der Mahlzeit immer wieder auf oder gehen umher. Dann können kleine, gut greifbare Speisen helfen, zum Beispiel belegte Brote, Obststücke oder Gemüse- und Fleischbällchen.

Dieses Konzept wird als „Eat by walking“ bezeichnet und auch in Pflegeeinrichtungen genutzt. Menschen mit starkem Bewegungsdrang erhalten dadurch häufiger Gelegenheit, etwas zu essen.

Wichtig ist, dass die Person sicher kauen und schlucken kann. Bei Anzeichen für Schluckbeschwerden sollte ärztlicher oder logopädischer Rat eingeholt werden.

Wie wichtig sind die „richtigen Lebensmittel“?

Vielleicht haben Sie schon einmal gelesen, dass bestimmte Lebensmittel besonders gut für das Gehirn sein sollen – zum Beispiel Fisch, Nüsse, Olivenöl, Beeren oder grünes Gemüse. Auch bei einer bestehenden Demenz trägt eine ausgewogene Ernährung zur allgemeinen Gesundheit und zum Wohlbefinden bei.

  • Eine Demenz allein verändert den Energie- und Nährstoffbedarf nicht grundsätzlich. Entscheidend sind unter anderem Alter, Körpergewicht, Bewegung und mögliche Begleiterkrankungen. Empfehlenswert ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und eiweißreichen Lebensmitteln.
  • Wenn jemand nur noch wenig isst, steht eine ausreichende Versorgung im Vordergrund. Speisen können dann beispielsweise mit Sahne, Butter, Öl oder vollfettem Käse angereichert werden. Ebenso wichtig sind persönliche Vorlieben und vertraute Lieblingsgerichte.
  • Medizinische Trinknahrung kann bei drohender oder bestehender Mangelernährung sinnvoll sein. Ob sie benötigt wird, sollte ärztlich oder ernährungstherapeutisch geklärt werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel sollten gezielt eingesetzt werden, etwa wenn ein Mangel festgestellt wurde. Besprechen Sie die Einnahme mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Lesen Sie hier, wie Ernährung dazu beitragen kann, Demenz vorzubeugen.

Lesen Sie auch unseren Ratgeber

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Quellen

DGEM – Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V., and DGG – Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e. V., editors. “S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter. Version 2.0.” 03 Feb. 2025. Accessed 6 June 2025.

Rie, K., T. Yokoi, Y. Miyoshi, H. Watanabe, and T. Fukuda. “Eating Behavior and Environments of Severe Alzheimer’s Disease Patients With Loss of Language Skills.” Gerontol Geriatr Med, vol. 8, 2022, article 23337214221113848. doi:10.1177/23337214221113848.

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