Einsamkeit und Demenz: Wie soziale Kontakte schützen
Alleinsein gehört zum Leben – und viele Menschen genießen es auch bewusst.
Anders ist es bei Einsamkeit: Wenn sich Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg isoliert und unfreiwillig allein fühlen, kann sich das langfristig auf ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit auswirken.
Studien zeigen, dass anhaltende Einsamkeit das Risiko für Demenz erhöhen kann. Einsamkeit zählt damit zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für die Erkrankung.
Soziale Kontakte wirken wie ein Schutzfaktor: Sie halten das Gehirn aktiv und können dazu beitragen, geistige Fähigkeiten länger zu erhalten.

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Warum Einsamkeit das Demenzrisiko erhöhen kann
Soziales Miteinander hält uns geistig fit. Zwar führt Einsamkeit nicht automatisch zu einer Demenz wie Alzheimer, aber länger anhaltendes, ungewolltes Alleinsein ist mit einem erhöhten Risiko verbunden.
- Weniger geistige Aktivität: Einsamkeit bedeutet weniger Anregung für das Gehirn: Gespräche und soziale Interaktion fallen weg, das Denken wird weniger gefordert.
- Erhöhtes Risiko für Depressionen: Einsamkeit kann die psychische Gesundheit belasten und Depressionen begünstigen – und Depressionen sind wiederum ein eigener Risikofaktor für Demenz.
Wenn Sie sich einsam fühlen, sprechen Sie darüber. Schon ein Gespräch mit einer vertrauten Person kann entlasten. Es gibt auch niederschwellige Hilfen wie die Telefonseelsorge oder das Silbertelefon (für Menschen ab 60).
Welche weiteren Faktoren Sie selbst beeinflussen können, erfahren Sie hier: Die 14 Risikofaktoren für Demenz
Aktives Gehirn durch Gespräche
Soziale Kontakte aktivieren unsere „grauen Zellen“ und können dazu beitragen, das Gehirn widerstandsfähiger zu halten. Gespräche fordern uns auf verschiedenen Ebenen:
- Hören und Verstehen des Gegenübers
- Erinnern an vergangene Gespräche
- Wahrnehmen von Tonfall und Mimik
Diese Vorgänge trainieren Konzentration, Gedächtnis, Sinne und Sprachvermögen. So kann ein aktives Gehirn Veränderungen länger ausgleichen.
Auch bei geistig aktiven Menschen können krankhafte Veränderungen im Gehirn entstehen. Das Gehirn kann diese jedoch oft länger ausgleichen, indem andere Bereiche Aufgaben übernehmen. Dadurch werden Symptome hinausgezögert und die Lebensqualität kann länger erhalten bleiben.
Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer „kognitiven Reserve“, die dazu beitragen kann, dass das Gehirn Veränderungen länger ausgleicht.

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Auch im Alter kann man neue Freunde finden, Geselligkeit tut gut. Sich auf einen Kaffee treffen, zum Beispiel, sorgt schon dafür, dass man
vorher einen Blick in den Spiegel wirft.
Okka Gundel, TV-Moderatorin und Botschafterin der Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Einsamkeit früh bekämpfen
Mit anderen Menschen im Austausch zu bleiben, ist ein wichtiger Baustein für unsere Gesundheit – unabhängig vom Alter oder davon, ob man gern Zeit allein verbringt. Einsamkeit betrifft dabei nicht nur ältere Menschen, auch viele jüngere Erwachsene fühlen sich zeitweise isoliert.
Ob zu Hause, im Job oder in der Freizeit: Menschen, die wir mögen und mit denen wir eine gute Zeit haben, bereichern unser Leben und tragen zu unserem Wohlbefinden bei. Es ist daher sinnvoll, bestehende Beziehungen zu pflegen und offen für neue Bekanntschaften zu bleiben, nicht nur im Alter, sondern ein Leben lang.
Starten können Sie damit nie zu früh. Denn auch wenn Sie jetzt vielleicht noch als Familie zusammenleben, berufstätig sind und regelmäßig Kontakt zu Freunden und Verandten haben, können sich die Lebensumstände verändern und das soziale Umfeld kleiner werden.
Ereignisse wie der Auszug der Kinder, der Ruhestand, Umzüge oder der Verlust nahestehender Menschen können dazu führen, dass man sich einsamer fühlt. Mit zunehmendem Alter wird ein stabiles soziales Netzwerk daher immer wichtiger.

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Praktische Anregungen zum Aufbau neuer Kontakte
Es ist mutig, sich mit dem Gefühl der Einsamkeit auseinanderzusetzen. Neue Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen, kann herausfordernd sein. Seien Sie geduldig mit sich und finden Sie heraus, welcher Weg am besten zu Ihnen passt.
Überlegen Sie, warum Sie sich einsam fühlen: Vermissen Sie jemanden, weil Ihr Partner oder Ihre Partnerin verstorben ist? Oder fehlt Ihnen eher die Gemeinschaft von Kollegen oder Freunden? Oft gibt es mehrere Gründe. Dabei ist nicht nur wichtig, wie viele Kontakte man hat, sondern vor allem, wie verbunden man sich fühlt.
Als Einstieg können diese Ideen dabei helfen, sich wieder mit anderen zu verbinden und den Alltag lebendiger zu gestalten:
- Kontaktieren Sie frühere Bekannte, Freunde oder Arbeitskollegen, zum Beispiel über ein Telefonat, eine E-Mail oder soziale Netzwerke.
- Bieten Sie Nachbarn oder Bekannten Hilfe an oder engagieren Sie sich in einem Ehrenamt
- Bitten Sie selbst um Hilfe. Menschen helfen oft gerne.
- Reaktivieren Sie frühere Hobbys – viele Sportgruppen, Orchester oder Chöre freuen sich über neue Mitglieder.
- Treffen Sie Menschen mit ähnlichen Lebensumständen, zum Beispiel in Gruppen für pflegende Angehörige.
- Lernen Sie etwas Neues, zum Beispiel ein Instrument zu spielen oder neue Gerichte zu kochen.
- Reisen Sie in einer Gruppe, um neue Kontakte zu knüpfen und Abwechslung in den Alltag zu bringen.
Gemeinsam wohnen im Alter
Ein möglicher Schritt, um Einsamkeit im Alter zu verringern, kann ein Umzug sein. Welche Wohnform dabei zu einem passt, hängt von den persönlichen Bedürfnissen, dem Unterstützungsbedarf und dem Wunsch nach Gemeinschaft ab:
- Haus- oder Wohngemeinschaften eignen sich für Menschen, die nicht allein leben möchten und den Alltag gemeinsam gestalten möchten.
- Betreutes Wohnen kombiniert eigenständiges Leben mit professioneller Unterstützung und Sicherheit – ideal für alle, die selbstständig bleiben möchten, aber sich auch Hilfe wünschen.
- Mehrgenerationenwohnen bringt Jung und Alt unter ein Dach. Der regelmäßige Austausch zwischen den Generationen wirkt bereichernd und kann Einsamkeit vorbeugen.
Gemeinsames Wohnen ist nicht nur gut für das Miteinander, es hilft auch, geistig aktiv zu bleiben. Gespräche beim Kochen, Spielen oder Spazierengehen fordern das Gehirn und fördern die seelische Gesundheit. Wer in Gesellschaft lebt, fühlt sich oft sicherer, wertgeschätzt und gebraucht – und das ist in jedem Alter von großer Bedeutung.

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Der Ratgeber Alzheimer vorbeugen: Gesund leben – gesund altern zeigt, wie wir durch eine aktives und gesundes Leben sowie gesundheitliche Vorsorge unser Alzheimer-Risiko senken können. Es werden 12 Risikofaktoren vorgestellt, auf die jeder und jede achten kann, um Alzheimer vorzubeugen.
44 Seiten, 2024

Autorin
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert. Seit 2024 leitet sie bei der AFI die Abteilung Wissenschaft.







