Demenzgerechtes Zuhause:
Tipps für mehr Sicherheit im Alltag
Die meisten Menschen mit Demenz möchten so lange wie möglich zuhause leben. Vertraute Räume, feste Gewohnheiten und persönliche Dinge geben Halt, wenn vieles andere zunehmend verwirrend wird.
Oft merken Angehörige zuerst kleine Veränderungen: Geräusche werden schnell zu laut, Gegenstände verschwinden und die eigene Wohnung fühlt sich fremd an. Dinge und Situationen, die für Gesunde ganz normal wirken, können Menschen mit Demenz verunsichern oder Angst machen.
Ein demenzgerechtes Zuhause hilft deshalb nicht nur dabei, Unfälle zu vermeiden. Es kann auch Ruhe, Orientierung und Sicherheit geben.

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Inhalt
Warum die Wohnumgebung bei Demenz so wichtig ist
Sicherheit beginnt mit kleinen Veränderungen
Die Küche: vertraute Abläufe beibehalten
Das Badezimmer: ein sensibler Ort
Das Schlafzimmer: nachts Sicherheit und Ruhe geben
Warum die Wohnumgebung bei Demenz so wichtig ist
Bei einer Demenzerkrankung wie Alzheimer nehmen Menschen ihre Umgebung anders wahr als früher. Entfernungen, Kontraste oder Bewegungen lassen sich schwerer einordnen. Ein dunkler Teppich oder dunkle Bodenfliesen können zum Beispiel als Löcher im Boden oder Schatten wie Hindernisse erscheinen.
Auch Fernseher, Fotos und besonders Spiegel können irritieren. Viele Menschen mit Demenz erkennen irgendwann ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr eindeutig als sich selbst. Dadurch kann das Gefühl entstehen, dass eine fremde Person im Raum ist.
Viele Menschen mit Demenz erleben Geräusche, Lichter, Stimmen oder Unordnung irgendwann als anstrengender als früher.
Für Angehörige ist das oft schwer nachzuvollziehen, weil sie dieselbe Umgebung ganz anders erleben.
In einem demenzgerechten Zuhause geht es deshalb nicht nur um Sicherheit. Die Wohnung kann auch helfen, sich räumlich und zeitlich zu orientieren, Stress reduzieren und den Alltag vereinfachen.
Warum Menschen mit Demenz vertraute Orte manchmal nicht mehr wiedererkennen, lesen Sie hier.

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Sicherheit beginnt mit kleinen Veränderungen
Menschen mit Demenz sollten sich zu Hause sicher bewegen und gut zurechtfinden können. Kleine Veränderungen in der Wohnung können helfen, den Alltag sicherer zu machen und Stürze zu vermeiden.
Stolperfallen wie lose Teppiche, Kabel oder Gegenstände auf dem Boden sollten möglichst entfernt werden. Gute Beleuchtung – besonders nachts oder in Fluren – sorgt zusätzlich für Sicherheit.
In späteren Phasen der Demenz kommt es häufiger vor, dass Menschen immer wieder durch die Wohnung gehen oder längere Zeit auf und ab laufen. Fachleute bezeichnen dieses Verhalten als „Pacing“. Deshalb sind freie und gut erkennbare Wege durch die Wohnung besonders wichtig.
An heißen Tagen kommt hinzu: Hohe Temperaturen können den Körper zusätzlich belasten. Achten Sie deshalb darauf, dass die Wohnung möglichst kühl bleibt und ausreichend Getränke bereitstehen. Weitere Hinweise finden Sie auf unserer Seite Hitze bei Demenz.

Hinlauftendenz: Wenn Menschen mit Demenz die Wohnung verlassen
Rund ein Drittel aller Menschen mit Demenzerkrankungen wie Alzheimer entwickeln im Laufe der Erkrankung eine Hinlauftendenz. Das heißt, sie machen sich irgendwann plötzlich auf den Weg und finden später nicht mehr zurück. Für Angehörige kann dies sehr belastend sein.
Mehr zu Ursachen, Warnzeichen und hilfreichen Maßnahmen lesen Sie hier: Hinlauftendenz bei Demenz
Die Küche: Vertraute Abläufe möglichst lange erhalten
Die Küche ist oft der Ort, an dem Angehörigen demenzielle Veränderungen zum ersten Mal auffallen: Der Kaffee läuft ohne Filter durch die Maschine, die Herdplatte bleibt an oder im Schrank stapeln sich plötzlich zwanzig gleiche Salatsoßen, die die erkrankte Person „zur Sicherheit“ vom Einkaufen mitgebracht hat.
Was zunächst wie Vergesslichkeit oder Nachlässigkeit wirkt, hängt meist damit zusammen, dass Menschen mit Demenz Arbeitsabläufe schwerer überblicken und durchführen können, was gerade in der Küche schnell gefährlich werden kann. Viele erkrankte Personen möchten aber weiterhin selbst Kaffee kochen, Essen zubereiten oder den Tisch decken.
Umso wichtiger ist es, die Küche möglichst übersichtlich, ruhig und sicher zu gestalten, ohne alles sofort grundlegend zu verändern:
- häufig genutzte Dinge sichtbar und griffbereit platzieren
- Arbeitsflächen möglichst frei und übersichtlich halten
- Schränke und Vorratsbehälter beschriften
- einfache Erinnerungszettel oder kleine Schritt-für-Schritt-Hilfen nutzen
- scharfe Messer, Medikamente sowie Reiniger und Spültabs sicher verstauen, ggf. auch außerhalb der Küche
Viele Angehörige sorgen sich besonders darum, dass der Herd versehentlich eingeschaltet bleibt. Technische Hilfen wie Herdsicherungen oder automatische Abschaltungen können hier zusätzliche Sicherheit geben.

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Das Badezimmer: ein sensibler Ort
Im Badezimmer kommen viele Dinge zusammen, die Menschen mit Demenz verunsichern oder gefährlich werden können: glänzende Oberflächen, heißes Wasser, rutschige Böden und meist nur wenig Platz zum Bewegen. Gleichzeitig ist das Bad ein sehr persönlicher Ort, an dem Menschen unbekleidet und dadurch oft besonders verletzlich sind.
Deshalb sollte ein demenzgerechtes Badezimmer möglichst sicher sein und gleichzeitig ein Ort bleiben, an dem man sich wohlfühlt.
Hilfreich können zum Beispiel sein:
- Thermostatarmaturen zum Schutz vor Verbrühungen
- eine bodengleiche, möglichst große Dusche mit rutschfestem Boden
- Sitzmöglichkeiten, auch in der Dusche, sowie Haltegriffe und Handläufe
- leicht erreichbare, möglichst beschriftete Schränke
- vertraute Pflegeprodukte und bekannte Düfte
- angenehmes, ausreichend helles Licht; praktisch sind Sensorleuchten
- eine Möglichkeit, Spiegel bei Bedarf abzudecken, zum Beispiel ein Rollo oder ein Vorhang
Zu Beginn der Erkrankung kommen viele Menschen mit Demenz noch gut mit ihrem gewohnten Badezimmer zurecht. Größere Umbauten, wie etwa der Tausch einer Badewanne gegen einen großen Duschbereich, sollten trotzdem möglichst früh erfolgen. So bleibt mehr Zeit, sich an Veränderungen und neue Abläufe zu gewöhnen.

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Das Schlafzimmer: nachts Sicherheit und Ruhe geben
Nächte sind für viele Menschen mit Demenz besonders schwierig. Manche wachen auf und wissen nicht sofort, wo sie sind. Schatten, Dunkelheit oder ungewohnte Geräusche können zusätzlich verunsichern.
Ein ruhiges Schlafzimmer mit vertrauten Dingen kann dabei helfen, sich nachts zurechtzufinden und wieder besser zur Ruhe zu kommen. Oft geben kleine Gewohnheiten, sanftes Licht und eine übersichtliche Umgebung mehr Sicherheit als viele Worte.
Hilfreich können zum Beispiel sein:
- ein möglichst ruhiges und aufgeräumtes Schlafzimmer
- ein gut erreichbares Bett, damit das Hinlegen und Aufstehen leichter fällt
- sanftes Licht oder Sensorleuchten für den Weg zur Toilette
- möglichst wenig Spiegel oder glänzende Oberflächen, die nachts irritieren können
- vertraute Fotos, Erinnerungsstücke oder eine Lieblingsdecke
- gut sichtbare Uhren oder Tag-Nacht-Anzeigen
- eine klare Ordnung mit festen Plätzen für wichtige Dinge
- leise Musik oder beruhigende Hintergrundgeräusche, wenn sie als angenehm empfunden werden
Technische Hilfen wie ein Babyphone, Türsensoren oder Bewegungsmelder können Angehörigen nachts mehr Sicherheit geben, ohne Menschen mit Demenz sofort in ihrer Freiheit einzuschränken.
Auch feste Abläufe vor dem Schlafengehen können beruhigen. Mehr zu Schlafproblemen und nächtlicher Unruhe lesen Sie auf unserer Seite zum Thema Schlaf bei Demenz.

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Veränderungen im Blick behalten
Es gibt nicht „den einen Verlauf“ bei einer Demenzerkrankung wie Alzheimer. Manche Menschen verändern sich langsam, andere schneller. Auch welche Schwierigkeiten im Alltag auftreten, kann sehr unterschiedlich sein.
Mit der Zeit fällt es Menschen mit Demenz jedoch meist schwerer, alltägliche Dinge zu verstehen oder selbstständig auszuführen.
Jemand, der heute noch problemlos mit Messer und Gabel isst, kann später vergessen, wofür die Gegenstände eigentlich gedacht sind.
Deshalb ist es wichtig, Veränderungen im Alltag aufmerksam zu beobachten. Neue Unsicherheiten oder Verhaltensweisen können ein Zeichen dafür sein, dass die Wohnung erneut angepasst werden sollte.
Mehr über den Verlauf von Demenzerkrankungen erfahren Sie hier.

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Ein Zuhause soll ein Zuhause bleiben
Bei allen Veränderungen ist es wichtig, dass die Wohnung weiterhin ein Ort bleibt, an dem sich alle wohlfühlen können. Das gilt besonders dann, wenn Menschen mit Demenz gemeinsam mit Partnern, Kindern oder anderen Angehörigen leben.
Ein demenzgerechtes Zuhause muss nicht unpersönlich oder klinisch wirken. Viele Anpassungen lassen sich unauffällig in das Zuhause integrieren. Wichtig sind nicht nur sichere Wege und praktische Hilfen, sondern auch Wärme, Vertrautheit und das Gefühl, weiterhin dazuzugehören.
Denn Menschen mit Demenz brauchen nicht nur Schutz und Orientierung. Sie brauchen auch ein Zuhause, das sich nach ihrem Zuhause anfühlt – und Angehörige brauchen einen Ort, an dem sie sich ebenfalls weiterhin wohlfühlen können.
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Autorin
Petra Lindenberg, M.A.
hat sich nach ihrem Studium der Sprachwissenschaft als Texterin im Online-Marketing spezialisiert. Seit 2022 arbeitet sie bei der AFI in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit.
Letzte Aktualisierung: Mai 2026






